Die anfänglichen Ermittlungen wegen Mordversuchs waren dank Anwalt Wolfgang Blaschitz (†) relativ rasch eingestellt, dennoch musste ein 69-Jähriger heute in St. Pölten auf die Anklagebank. Der Angeklagte kam im Rollstuhl.
Rückblick: Während der herzkranke Witwer sich vor rund vier Jahren neu verlieben konnte, ging es gesundheitlich stetig bergab. Der 69-Jährige bekam 2019 sogar ein Kunstherz, musste sich einem schweren Eingriff unterziehen, seine damalige (Noch)-Partnerin besuchte ihn regelmäßig im Krankenhaus. Doch nach der Reha gab ihm seine Partnerin zu verstehen: „Ich will mit Dir nur noch freundschaftlich verbunden sein. Und: Wir sind schließlich nicht verheiratet."
Der Fleischer und Jäger, der seit der Operation einen Rollator zum Gehen braucht, war tief gekränkt, verkraftete die Trennung nicht, zuckte gegenüber der Tochter aus, als diese nur leise daran dachte, das Haus (Anm.: schenkte Leo M. seiner Tochter) zu verkaufen, drohte ihr mit dem Tod: "Wennst das Haus verkaufst, erschieß' ich Di."
Als er dann noch seine Ex-Geliebte mit einem anderen Mann in einem Wirtshaus sah, brannten bei Leo M. die Sicherungen durch.
Im Juli zog Leo M. einen Schlussstrich, drohte seiner Ex (61) per SMS mit einem Blutbad, schrieb einen Abschiedsbrief, setzte sich ins Auto und fuhr mit zwei Waffen (Anm.: er gab an, eine Pistole vor rund 20 Jahren von einem Polizisten gekauft zu haben) samt vollen Magazinen sowie einer Machete, 2 Jagdmessern, Pfefferspray zu seiner Ex. Der alarmierte Polizeichef des Ortes konnte mit Kollegen im letzten Moment eine Tragödie verhindern. Leo M. wurde festgenommen und landete schließlich auf der Krankenstation der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft.
Anwalt Wolfgang Blaschitz konnte bereits im August eine Umwandlung in eine Anhaltung (Anm.: statt der Untersuchungshaft) erwirken.
Bei Prozess heute meinte der 69-Jährige: "Ich habe ihr nichts getan. Ich hatte einen Hass auf sie, weil sie ihre Freiheit wollte. Ich wollte ihr aber nur Angst einjagen, damit sie anfängt nachzudenken." Immer wieder brach der enttäuschte und gesundheitlich schwer angeschlagene Angeklagte in Tränen aus. Anderseits gab er sich wieder recht roh, als die Frage vom Gericht kam: "Warum haben Sie immer eine Machete im Auto?" Der Angeklagte: "Damit putze ich mir die Fingernägel."
Die Ex meinte im Zeugenstand trocken: "Ich habe gekocht und geputzt für ihn. Aber es kam nichts zurück." Die Tochter (36), die ebenfalls bedroht worden war, meinte: "Er ist sehr herrisch, trinkt nicht wenig."
Der Angeklagte (neuer Verteidiger Josef Gallauner) muss anklagekonform in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher (nicht rechtskräftig).