Rotkreuz-Helferin von Rollstuhlfahrer erschossen

Lorena Enebral Pérez war mit dem Roten Kreuz weltweit im Einsatz, wo auch immer Hilfe nötig war.
Lorena Enebral Pérez war mit dem Roten Kreuz weltweit im Einsatz, wo auch immer Hilfe nötig war.Bild: Facebook/Inmaculada Gonzalez Nuño
Der Polio-Patient hatte seine Physiotherapeutin für eine Reha-Stunde besucht. Plötzlich zückte er eine Waffe und tötete die 38-Jährige.

In einem berührenden Statement hat das Internationale Komitee des Roten Kreuzes am Montag (11. September) den Tod einer ihrer langjährigen Mitarbeiterinnen bekanntgegeben.

Die Physiotherapeutin Lorena Enebral Pérez (38) aus Spanien, wurde in einem Hilfszentrum in Afghanistan kaltblütig ermordet – von einem ihrer Patienten.

Der Mann, ein Polio-Patient, war hatte mit seinem Rollstuhl kurz nach 10 Uhr vormittags das Rehabilitierungszentrum in Mazar-e-Sharif betreten, vorgeblich weil er eine Therapiestunde mit der Spanierin abhalten wollte. Stattdessen zückte er eine Handfeuerwaffe russischen Fabrikats und feuerte einen Schuss ab. Die 38-Jährige wurde mitten in die Brust getroffen. Sie war augenblicklich tot.

Täter war seit seiner Kindheit in Behandlung

Über die Motive des Attentäters ist nichts bekannt: Er wurde von der örtlichen Polizei als Mohammed N. (21) identifiziert. "Er leidet an Polio und wird seit seinem zweiten Lebensjahr in dem Spital betreut", schildert General Abdul Razaq Qaderi, der Polizeichef der Provinz Balkh. "Er war immer in diesem Krankenhaus in Behandlung und auch am Vortag dort." Nach dem ersten Schuss sei er von anderen Mitarbeitern zu Boden geworfen und entwaffnet worden.

Keine der militanten Gruppen Afghanistans, weder der IS noch die Taliban, hat sich zu dem Attentat bekannt, berichtet die "New York Times" am Montag.

Weltweit in Krisengebieten tätig

Pérez war eine erfahrene Physiotherapeutin und für das Rote Kreuz in vielen Krisengebieten, darunter Tansania, Malawi und Äthiopien, tätig. Sie half vorrangig Kindern, aber auch Männern und Frauen, die Gliedmaßen verloren hatten, wieder ins Leben zu finden. Die 38-Jährige war seit rund einem Jahr in Afghanistan stationiert.

"Ich glaube, dass die Qualität und Wärme bei der Arbeit, die ich tue essentieller Bedeutung und eine meiner wichtigsten Tugenden ist", beschrieb sich die Helferin auf ihrem eigenen LinkedIn-Profil.

Rotes Kreuz trauert um Opfer

"Energetisch und voller Lachen, Lorena war das Herz unserer Außenstelle in Mazar. Heute sind unsere Herzen zerbrochen", teilte die Leiterin des Hilfseinsatzes in Afghanistan, Monica Zanarelli, in der emotionalen Aussendung mit. "Lorena war eine fähige und fürsorgliche Physiotherapeutin, die ihren Patienten immer geholfen hat, besonders den Kindern."

Dutzende Mitglieder des Roten Kreuz Spaniens haben am Dienstag eine Schweigeminute für ihre ermordete Kollegin abgehalten:

(rcp)

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