Russen gehen auf Briten im Sicherheitsrat los

Große Show im UN-Sicherheitsrat: Der russische Botschafter drohte Großbritannien, bemühte Josef Goebbels und zitierte aus "Alice im Wunderland".

Bei einem Treffen der 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in New York fuhr Russlands Botschafter Wassili Nebensja heftige Attacken gegen Großbritannien. Er warf den Briten vor, im Fall des vergifteten Spions Sergej Skripal "einen Propaganda-Krieg" zu führen um "Russland zu diskreditieren".

"Das sind alles Methoden von Dr. Goebbels", verwies er auf den Propagandaminister der Nationalsozialisten im Dritten Reich. "Das ist eine Art absurdes Theater. Konnten Sie keine bessere falsche Story erfinden? Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, 'Sie spielen mit dem Feuer und es wird Ihnen leid tun'".

Nach der Sitzung wurde Nebensja gefragt, was er damit genau meine. Er antwortete dass "es einem normale Menschen leid tun sollte", wenn die britischen Anschuldigungen unwahr seien.

Die Herz-Königin

Bei seiner Rede verwies der Botschafter auf die beliebte BBC-Krimiserie "Midsomer Murders" und las dann sogar aus "Alice im Wunderland" jene Passage vor, in der die Herz-Königin zuerst die Strafe und dann das Urteil fordert. "Erinnert Sie das an etwas?", fragte Nebensja rhetorisch.

Er verglich auch die britische Regierung mit Inspektor LeStrade, dem etwas "tollpatschigen" Ermittler aus den Sherlock-Holmes-Romanen.

Der literarische Diskurs hatte bereits vor dem Treffen begonnen, als die britische Botschafterin selbst auf Sherlock Holmes verwiesen hatte: Russischen Wissenschaftlern "Zugang zu den Ermittlungen" zu verschaffen, "wenn sich höchstwahrscheinlich selber die Täter sind, wäre so als würde [die Ermittlungsbehörde] Scotland Yard [Sherlock Holmes großen Widersacher] Professor Moriarty einladen".

Seitenhieb auf Syrien-Krieg

Zu Nebensjas Lesung aus "Alice im Wunderland" meinte sie in ihrer Antwort: "Es gibt noch ein gutes Zitat aus 'Alice im Wunderland', das lautet 'Manchmal habe ich bis zu sechs unmögliche Dinge vor dem Frühstück geglaubt'. Ich denke, dieses Zitat passt am besten zu meinem russischen Kollegen."

Dann legte sie nach: "Ich werde keine Belehrungen über Moral oder unsere Verantwortungen von einem Land entgegen nehmen, das – so wie der Rat gestern diskutiert hat – so viel dafür getan hat, ordentliche Ermittlungen zum Gebrauch chemischer Waffen in Syrien zu blockieren."

(red)

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