Russland kann jederzeit Europas AKWs sabotieren

Blick auf ein Kernkraftwerk mit seinen Kühltürmen.
Blick auf ein Kernkraftwerk mit seinen Kühltürmen.Bild: Wikipedia

Washington zufolge haben sich russische Hacker in die europäische und amerikanische Infrastruktur gehackt. Moskau habe so Macht über die Strom- und Wasserversorgung des Westens.

Sie nennen sich "Berserk Bear", "Energetic Bear" oder "Dragonfly" und arbeiten für den Geheimdienst FSB oder für den militärischen Geheimdienst GRU: Russische Hackergruppen haben sich Zugang zu europäischen und amerikanischen Kernkraftwerken, den Leitungen der Energieversorgung oder der öffentlichen Wasserversorgung verschafft. Ihr mutmaßliches Ziel: in einem Konflikt die Steuerungssysteme kritischer Infrastruktur zu sabotieren oder stillzulegen.

So lauten die neusten Vorwürfe der USA an die Adresse Russlands, wie die "New York Times" (NYT) unter Berufung auf Washingtoner Regierungskreise und US-Sicherheitsfirmen berichtet.

"Viele kritische Bereiche der Infrastruktur angegriffen"

In einer Erklärung von US-Finanzminister Steven Mnuchin vom Donnerstag heißt es: "Seit März 2016 haben Hacker im Auftrag der russischen Regierung auch Einrichtungen der US-Regierung und eine Vielzahl kritischer Bereiche der Infrastruktur angegriffen." Belegt seien die Angriffe durch Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI und des US-Heimatschutzministeriums.

Demnach hätten sich russische Hacker "Zugang zu Maschinen verschafft, die mit Kontrollsystemen von nicht genannten AKW verbunden waren." Sie seien aber nie so weit gegangen, Computersysteme für Kernkraftwerke zu sabotieren oder herunterzufahren.

"Wir haben jetzt Beweise"

"Wir haben jetzt Beweise, dass sie über Maschinen verfügen, die mit der industriellen Kontrollinfrastruktur verbunden sind und die es erlauben, diese abzuschalten oder zu sabotieren", sagte Eric Chien von der Sicherheitsfirma Symantec der NYT. "Soweit wir sehen können, waren sie da. Sie haben die Fähigkeiten, den Strom abzuschalten. Alles, was fehlt, ist die politische Motivation, dies zu tun."

Offenbar wollen die Hacker in Erfahrung bringen, wie etwa Elektrizitätseinrichtungen funktionieren. Gleichzeitig seien sie daran interessiert, sich Zugang in operative Systeme zu verschaffen. "Mittlerweile dürfte diese Gruppe die Fähigkeit haben, diese Systeme zu sabotieren oder zu kontrollieren", meldete die Sicherheitsfirma Symantec bereits im Oktober.

Stromausfälle in der Ukraine als unheilvolle Zeichen

Die USA hatten in der Vergangenheit ähnliche Attacken im Iran lanciert. Doch Russland scheint mit seinen Attacken weiter gehen zu wollen. Das legen zumindest die Stromausfälle nahe, die 2015 und 2016 Zehntausende Bürger in der Ukraine getroffen hatten. In den USA wird dies als unheilvolles Zeichen dafür gesehen, was die USA und Europa in einem eskalierenden Konflikt mit Russland erwarten könnten.

"Russland hat sicherlich die technischen Fähigkeiten, um großen Schaden anzurichten. Das zeigte es schon in der Ukraine", sagte der Cybersecurity-Experte Eric Cornelius der NYT. "Aber es ist unklar, was sich Russland davon verspricht, solche Schäden auf US-Boden verursachen zu wollen, angesichts der VergeltungsmMaßnahmen, die es damit provozieren würde."

Die neusten Erkenntnisse über die russischen Aktivitäten haben bereits Folgen nach sich gezogen: Die US-Regierung hat die geltenden Sanktionen gegen Russland ausgeweitet, als Antwort auf "böswillige russische Cyberaktivitäten". Neu auf der Sanktionsliste sind nun auch mehrere Offizielle des Militärgeheimdienstes GRU. Russland wiederum hat angekündigt, darauf mit einer Ausweitung seiner "schwarzen Liste" von US-Bürgern zu reagieren. (gux)

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