Russland tadelt Zypern und will Gasfeld

Bild: EPA

Zypern droht der Staatsbankrott, doch mit einem Gas-Geschäft könnte es den Kopf aus der Schlinge ziehen. Vor dem Inselstaat liegen große Vorkommen, die dem Land Milliardeneinnahmen bescheren könnten. Moskau kritisiert zwar Zypern und die EU für ihr Krisenmanagement, will aber im Gegenzug für Hilfe in der Finanzkrise Lizenzen zur Förderung des Rohstoffschatzes ergattern.

, doch mit einem Gas-Geschäft könnte es den Kopf aus der Schlinge ziehen. Vor dem Inselstaat liegen große Vorkommen, die dem Land Milliardeneinnahmen bescheren könnten. Moskau kritisiert zwar Zypern und die EU für ihr Krisenmanagement, will aber im Gegenzug für Hilfe in der Finanzkrise Lizenzen zur Förderung des Rohstoffschatzes ergattern.

Im Ringen um eine Lösung der Zypern-Krise hat der russische Regierungschef Dmitri Medwedew den Inselstaat sowie die EU-Spitze kritisiert. Die Europäische Union, die EU-Kommission und die zyprische Regierung verhielten sich wie ein Elefant im Porzellanladen, sagte Medwedew am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. "Mir scheint, dass alle möglichen Fehler, die in solch einer Situation gemacht werden können, bereits gemacht wurden", sagte der Ministerpräsident.

Bei den bevorstehenden Gesprächen mit der EU-Kommission in Moskau müsse die zypriotische Finanzkrise "sehr aktiv" besprochen werden, sagte Medwedew. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso wurde noch am Mittwochabend in Moskau erwartet.

"Ich hoffe, dass letztlich eine maximal austarierte Entscheidung getroffen wird, die sowohl Zypern hilft als auch unsere Beziehungen mit der EU nicht belastet", sagte der Regierungschef mit Blick auf die Verhandlungen von Zyperns Finanzminister Michalis Sarris in Moskau. Die zunächst angedachte Zwangsabgabe auf zypriotische Spareinlagen hatte Medwedew zuvor mit Enteignungen wie zu Sowjetzeiten verglichen.

Gasfeld "Aphrodite" soll helfen

Medienberichten zufolge interessiert sich Russland für Zyperns Gasvorräte und könnte diese in Zukunft als "Dankeschön" im Gegenzug für finanzielle Hilfe anzapfen. Der US-Ölkonzern Noble Energy hat südlich der Insel ein bedeutendes Gas-Vorkommen in zypriotischen Gewässern entdeckt. Das Feld mit dem Namen "Aphrodite" könnte bis zu 224 Milliarden Kubikmeter Gas enthalten - im Wert von schätzungsweise 100 Milliarden Euro. Und Experten vermuten weitere Vorkommen in der Nachbarschaft, nicht nur Gas, sondern auch Öl.

Zypern gründete für die Erschließung im Jänner eigens ein Staatsunternehmen namens Kretyk und begann mit der Vergabe von Förderlizenzen an internationale Energiekonzerne. Doch die Ausbeutung der verheißungsvollen Reserven wird nicht von heute auf morgen anlaufen. Sie liegen tief unter dem Meeresspiegel, was Bohrungen technisch schwierig macht.

Türkei stellt sich bislang quer

Zudem hat auch der Nachbar Türkei, der 1974 den Nordteil Zyperns besetzt hatte, ein Auge auf die Vorkommen. Nach Ansicht Ankaras darf Zypern keine Bohrungen vor der Küste einleiten, solange die Insel geteilt ist. Im November drohte die türkische Regierung, bei eigenen Energieprojekten alle Firmen zu boykottieren, die sich an der Gasförderung in Zypern beteiligen. 2011 hatte Ankara demonstrativ ein eigenes Erkundungsschiff in die Region entsandt - und gedroht, die Mission notfalls mit Kriegsschiffen durchzusetzen.

Nun kommen womöglich auch die Russen ins Spiel. Die russische Zeitung "Wedomosti" berichtete am Dienstag, die Gazprombank, die zu 41 Prozent dem staatlichen Energiekonzern Gazprom gehört, habe Zypern in der Krise Finanzhilfe vorgeschlagen - im Gegenzug für Lizenzen zur Ausbeutung des Gas-Schatzes.

Pläne benötigen Zeit

Schon die Ende Februar abgewählte zypriotische Regierung hatte indes nicht nur auf die Förderung des Gases, sondern auch auf die Verarbeitung zum Export gehofft. Nicht weit von den Touristenstränden um Limassol soll eine riesige Fabrik zur Verflüssigung von Gas entstehen. Die Anlage von Vassilikos soll dabei nicht nur zypriotisches Gas verflüssigen, sondern zielt auch auf Vorkommen in israelischen und libanesischen Gewässern. Das rezessionsgeplagte Zypern mit 840.000 Einwohnern hofft im Fahrwasser des Projekts auf zehntausende Jobs.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Woher die nötigen Investitionen von allein in der Anfangsphase rund 10 Milliarden Euro kommen sollen, ist unklar. Der Baubeginn wird erst für 2016 anvisiert, die Produktion für den Export 2019. Der britische Berater Peter Wallace, der schon ähnliche Projekte betreut hat, sieht die Pläne kritisch: Die bisher vorgesehene Anlage sei zu klein und der Zeitplan sei wenig realistisch.

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