Die mit Hochspannung erwartete vorverlegte Landtagswahl in Salzburg in Folge des Finanzskandals hat begonnen. 389.789 Salzburger sind aufgerufen, mit ihrer Stimme über die Vergabe der 36 Sitze im Landesparlament zu entscheiden. Die Spitzenkandidaten der großen Parteien waren schon am Vormittag wählen.
Heute stehen in Salzburg sieben Listen zur Wahl: Neben den vier Landtagsparteien SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne sind dies das Team Stronach, das in allen sechs Bezirken antritt, die "Piraten", die eine Kandidatur in den drei bevölkerungsreichsten Bezirken (Salzburg, Salzburg Umgebung, Zell am See) schafften, und die KPÖ, die nur in der Stadt Salzburg die nötigen Unterschriften sammeln konnte.
Das erste Wahllokal hat schon um 6.00 Uhr in Piesendorf aufgesperrt. Ab 9.00 Uhr haben sämtliche Wahllokale im Bundesland geöffnet. Die ersten schlossen bereits um 12.00 Uhr, die letzten um 17.00 Uhr. Das vorläufige Endergebnis wird für ca. 20.00 Uhr erwartet. In der Stadt Salzburg müssen Lauffans am Sonntag Marathon und Wahl unter einen Hut bringen.
Burgstaller als Frühaufsteherin
Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) ging bereits um 8.00 Uhr früh wählen gegangen, ihr Wahl-Lokal ist das Sonderpädagogische Zentrum von Hallein. Burgstaller will das bisher schöne Wetter am heutigen Wahl-Sonntag nutzen und auf einen Berg gehen. "Keine Frage, heute ist ein Schlüsseltag. Aber ich habe alles nötige und sogar mein Bestes getan, und heute ist der Wähler am Wort", erklärte die Landeshauptfrau, die in Begleitung ihres Ehemannes Anton Holzer zur Wahl ging.
Pünktlich um 11.00 Uhr traf ÖVP-Spitzenkandidat LHStv. Wilfried Haslauer gemeinsam mit Lebensgefährtin Christina Rößlhuber in sein Wahllokal im Salzburger Stadtteil Parsch ein. Er sei "vorsichtig optimistisch", bekundete der VP-Chef im Anschluss vor Journalisten: "Ich habe gut geschlafen und bin froh, dass der Tag der Entscheidung da ist." Nach dem Mittagessen will Haslauer gegen 15.45 Uhr in die ÖVP-Zentrale in der Merianstraße kommen.
Burgstaller und Haslauer Nummer eins und zwei
Burgstaller hatte auf ihrem Kuvert eine große 1 aufgedruckt, Haslauer eine große 2. Dies hat aber nichts mit der Positionierung der Parteien auf dem Wahlzettel zu tun. Es sind schlicht die Nummern des jeweiligen Wahlbezirkes - 1 für Hallein, 2 für Salzburg Stadt.
Der Langzeitobmann der FPÖ, Karl Schnell, kam gut gelaunt mit Gattin Christine und den beiden Söhnen Hermann und Jörg in die Volksschule zur Wahl. Ganz in Grün erschien die Spitzenkandidatin der Grünen, Astrid Rössler, in ihrem Wahllokal. Mit Gattin "Maresi" und Tochter Stefanie erschien Team-Stronach-Spitzenkandidat Hans Mayr zur Stimmabgabe.
Duelle um die Plätze eins und drei
Den Umfragen zufolge deutet alles auf ein doppeltes Kopf-an-Kopf-Rennen hin: SPÖ und ÖVP rittern um den Landeshauptmann-Sessel, FPÖ und Grüne um Platz 3. Und dem "Team Stronach" sollte demnach der Einzug in den Landtag gelingen. Der Wahlausgang ist auch österreichweit spannend, könnte er doch Auswirkungen auf den Nationalrats-Wahlkampf haben. Außerdem fällt die Entscheidung, welche der beiden Parteien künftig mehr Landeshauptleute stellt. Derzeit liegt die SPÖ mit 5:4 vorne.
Der vorzeitige Urnengang ist eine Folge des Finanzskandals, regulärer Termin wäre Februar/März 2014 gewesen. Den Neuwahl-Antrag hatte die ÖVP nur wenige Tage nach Bekanntwerden der Spekulationsgeschäfte angekündigt. Er fand letztlich die Zustimmung sämtlicher Parteien.
Klima zwischen SPÖ und ÖVP vergiftet
Nach neun Jahren gemeinsamer Landesregierung ist das Klima zwischen SPÖ und ÖVP seit Bekanntwerden des Finanzskandals vergiftet. Sowohl Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) als auch ÖVP-Chef LHStv. Wilfried Haslauer haben angekündigt, keine gemeinsame Regierung mit dem jeweiligen Gegenüber mehr zu bilden. Wer die Wahl verliert, geht.
FPÖ und Grüne haben sich Latte hochgelegt
Die Ziele der Parteien sind naturgemäß sehr unterschiedlich: Für SPÖ und ÖVP geht es um den Führungsanspruch im Land. FPÖ-Chef Schnell hat sich die Latte auf 15 Prozent gelegt und will bereits bei einem kleinen Minus von der Polit-Bühne abtreten. Die Grünen wollen sich verdoppeln, also 15 Prozent und vier Mandate erzielen. Für das Team Stronach und für die Piraten geht es schlichtweg um den Einzug ins Landesparlament. Bei der KPÖ wird das Antreten als Testlauf für die Salzburger Gemeinderatswahl im kommenden Jahr gesehen, bei denen sich die Kommunisten Hoffnungen auf einen Einzug ins Stadtparlament machen.