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Sanitäter klebt Patientin den Mund mit Klebeband zu

Da er den Mund der Frau mit Klebeband zuklebte, wurde ein Rettungssanitäter aus Genf wegen Körperverletzung verurteilt.

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    Eine von Suizidgedanken und Ängsten geplagte Frau aus Grand-Lancy GE bat im Frühsommer 2021 den Notdienst um Hilfe.
    Eine von Suizidgedanken und Ängsten geplagte Frau aus Grand-Lancy GE bat im Frühsommer 2021 den Notdienst um Hilfe.
    Tamedia AG

    Da seine Patientin einfach nicht auf ihn hören wollte, hat ein Rettungssanitäter in Genf der Frau den Mund zugeklebt. Das wurde nun von der Justiz als Körperverletzung bewertet, wie "20 Minutes" berichtet. Im Juni wurde der Rettungssanitäter deshalb zu einer Geldstrafe von rund 500 Euro verurteilt, wie jetzt bekannt wurde.

    Das ist passiert

    Eine von Suizidgedanken und Ängsten geplagte Frau aus Grand-Lancy GE bat im Frühsommer 2021 den Notdienst um Hilfe. Als dieser eintraf, fanden die Sanitäter eine stark alkoholisierte Frau vor, die "unzusammenhängende Dinge" gesagt haben soll. Sie schien sich dennoch kooperativ zu verhalten. Als sie jedoch in den Rettungswagen stieg, begann sie, einen der anwesenden Polizisten anzuspucken.

    Der Rettungssanitäter drohte ihr deshalb, eine Maske über den Mund zu stülpen. Doch seine Drohung blieb wirkungslos. Der Sanitäter setzte der Patientin folglich eine Maske auf. Da auch dies die Frau nicht daran hinderte, weiter auf die Polizisten zu spucken, griff der Rettungssanitäter zum Klebeband. Damit klebte er die Maske auf dem Mund der Frau fest. Als die Patientin dann schrie, dass sie nicht atmen könne, befreite er die Nase vom Klebeband und der Maske – der Mund blieb allerdings zugeklebt.

    Würde der Patientin mit Füßen getreten

    Dieses Vorgehen wurde als "unangemessen" bewertet, wie ein interner Bericht des Universitätsspitals Genf (HUG) zeigt. In dem Bericht wurde dem Sanitäter vorgeworfen, dass er die Beherrschung verloren und eine "autoritäre, ja sogar strafende Haltung" eingenommen habe. Auch das Pflegepersonal des HUG habe sich über das Verhalten des Sanitäters schockiert gezeigt.

    Sein Vorgehen habe "absolut im Widerspruch zur guten Praxis und zum Berufsethos der Rettungssanitäter" gestanden, hieß es im Bericht weiter. Der Sanitäter habe die Würde der Patientin mit Füßen getreten. Laut eigener Aussage habe sich die Frau "erniedrigt" gefühlt.

    "Niemand hat das Recht, mit Klebeband an meinem Kopf zu hantieren", sagte sie. Zudem habe der Sanitäter auch ihre Gesundheit gefährdet, heißt es im Bericht weiter. Aufgrund des alkoholisierten Zustands hätte die Frau in ihre Maske erbrechen können, womit die Gefahr bestanden habe, dass sich ihre Lunge daraufhin mit der erbrochenen Flüssigkeit gefüllt hätte.

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      HEUTE/Helmut Graf