Saudi-Araberin wegen Minirock festgenommen

Eine junge Frau hat mit einem Video die königliche Sittenpolizei Saudi-Arabiens alarmiert. Nun wurde sie gefasst.

Weil sie sich in einem Snapchat-Video im Minirock gezeigt hat, ist eine junge Frau in Saudi-Arabien von der Polizei festgenommen worden. Das staatliche Fernsehen berichtete am Dienstag, die Frau habe "unzüchtige Kleidung" getragen. Die Polizei in Riad habe sie deswegen festgenommen und ihren Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Was mit der Frau nun geschieht, blieb zunächst unklar. Ein Tweet des Staatsfernsehens endete allerdings mit dem Hashtag "Prozess für Model Khulood" und verwies damit auf den Namen des Snapchat-Profils, auf dem das Video Berichten zufolge zuerst hochgeladen wurde.

Im Minirock durch die Wahhabiten-Hochburg

Der neue Thronfolger Muhammad Bin Salam will zwar im Zuge der Vision 2030 – eines Wirtschaftsprogramms – auch die Frauenrechte stärken. Zumindest außerhalb des Königshauses ist das Land von der gesellschaftlichen Öffnung noch ein weites Stück entfernt. Das besagte Video sorgte für Aufruhr. Darin ist die junge Frau zu sehen, wie sie im knappen Mini und wehendem Haar durch die Gassen einer alten Festung wandelt.

Für den Spaziergang hat sich das anonyme Model die Ortschaft Ushayqir ausgesucht. Die historische Stadt befindet sich gut 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Riad und gilt als Hochburg der Konservativen. Im 18. Jahrhundert wurde in dieser Region der Wahhabismus – eine besonders puristische Form des sunnitischen Islams – ins Leben gerufen. Eine Frau, die sich nicht an die Kleidervorschriften hält, muss mit einer drakonischen Strafe rechnen.

Das Video wurde zunächst auf Snapchat geteilt. Von da an fand es schnell den Weg über andere Internetkanäle und verbreitete sich im ganzen Land. Die Sittenwächter horchten auf: Die islamische Religionspolizei Mutaween kündigte an, man sei durch das Video gewarnt und habe den Kontakt zu den relevanten Autoritäten hergestellt. Diese haben nun gehandelt.

Die Frau wird im Bericht der Tageszeitung Okaz nur verpixelt gezeigt.

Auf Twitter läuft ein Wettstreit zwischen Befürwortern und Gegnern der Aktion. Ein konservativer Vertreter bezeichnet den Spaziergang als Ausdruck der ignoranten, liberalen Gesellschaft. Das komme dabei heraus, wenn eine gebrochene Frau mit Kino, Liedern und Tanz in Berührung komme. Der Mann spielt dabei auf die Vision 2030 an, im Zuge deren vereinzelt erste Konzerte oder gemischte Kinosäle erlaubt wurden.

"Schockiert" zeigt sich der saudische Philosoph und Schriftsteller Wael al-Gassim. Allerdings nicht, weil die Frau unüblich viel Haut zeigt, sondern aufgrund der "wütigen und verängstigten Tweets". Er habe zunächst gedacht, dass die Frau jemanden umgebracht habe. Dann habe er realisiert, dass die Öffentlichkeit über einen simplen Rock diskutiere: "Ich glaube nicht, dass die Vision 2030 erfolgreich sein kann, sollte die Frau verhaftet werden", sagte er vor der Festnahme des Models.

Saudi-Arabien ist eines der wenigen Länder, in denen sich Frauen verschleiern müssen. Verbreitet ist die Abaya – ein Überkleid, das von den Frauen über den normalen Kleidern getragen wird. Die dominierende Farbe im arabischen Raum ist schwarz. (mrs/chk/ap/sda)

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