In der internationalen Diplomatie wird meist mit feiner Klinge und dezenten Hinweisen gearbeitet. Doch offenbar nicht so in Saudi-Arabien: Dort wies man den kanadischen Botschafter aus und legte alle Beziehungen mit dem nordamerikanischen Land auf Eis – wegen eines Tweets.
"Ich bin höchst besorgt dass Samar Badawi, die Schwester von Raif Badawi, in Saudi-Arabien inhaftiert worden ist", schrieb Außenministerin Chrystia Freeland auf Twitter über zwei Menschenrechtsaktivisten. "Kanada steht der Badawi-Familie in dieser schwierigen Zeit bei and wir werden weiterhin vehement die Freilassung von Raif und Samar Badawi fordern."
Scharfe Reaktion
Das Außenministerium legte auf seinem offiziellen Account mit einem ähnlichen Tweet kurze Zeit später nach und forderte erneut die Freilassung der beiden (und anderer) Aktivisten. Das saudische Außenministerium reagierte ungewöhnlich scharf: "Wir sehen den kanadischen Botschafter im Königreich Saudi-Arabien als unerwünschte Person an und ordnen seine Ausreise in den nächsten 24 Stunden an."
#Statement | We consider the Canadian ambassador to the Kingdom of Saudi Arabia persona non grata and order him to leave within the next 24 hours.— Foreign Ministry 🇸🇦 (@KSAmofaEN) 5. August 2018
In einer Serie von Tweets legten die Saudis nach: "Das Königreich Saudi-Arabien [Anm.: KSA] friert alle neuen Handels- und Investmentbeziehungen zwischen dem KSA und Kanada ein. Das KSA behält sich weitere Schritte vor."
Drohung der eigenen Einmischung
Weiter erklärte man, dass die Forderungen Kanadas nach einer sofortigen Freilassung der Personen "sehr unglücklich, verwerflich und inakzeptabel in der Beziehung zweier Staaten" sei. Man werte Kanadas Position als "Angriff auf das Königreich Saudi-Arabien" und man akzeptiere keine Einmischung in seine internen Angelegenheiten.
Und: "Jegliche weitere Versuche Kanadas, sich in unsere internen Angelegenheiten einzumischen, bedeuten, dass wir uns in Kanadas interne Angelegenheiten einmischen dürfen." Der eigene Botschafter in Kanada werde zu Beratungen in die Heimat zurückgerufen. Bis jetzt gibt es noch keine offizielle Antwort Kanadas auf die Maßnahmen.
(red)