Szene

Schauspieler Walter Schmidinger ist tot

Der große österreichische Schauspieler Walter Schmidinger ist in der Nacht auf Samstag (28. September) im Alter von 80 Jahren gestorben.
Heute Redaktion
14.09.2021, 02:52

Das meldete das Berliner Ensemble, dessen Mitglied der gebürtige Linzer seit dem Jahr 2003 gewesen ist. Zuletzt spielte er dort u.a. in "Yvonne" von Witold Gombrowicz und in der "Dreigroschenoper" (2007). Der Charakterdarsteller hatte im Laufe seiner Karriere nahezu sämtliche große Rollen an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen verkörpert, darunter Hamlet, Lear, Nathan, Malvolio, Shylock und Tartuffe. 2006 wurde er mit dem "Nestroy"-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

"Walter Schmidinger hat eine große Theaterepoche erlebt und mitgestaltet. Er hat große Erfolge und große Misserfolge erlebt, wie er selbst von sich erzählte – aber immer war es außerordentlich, ja auch sensationell. Mit seiner Stimme, mit seinem Sprachgefühl und mit seiner Sprechkunst war er einzigartig", heißt es in einer Pressemitteilung der von Claus Peymann geleiteten Bühne. "Das Berliner Ensemble trauert um einen großen Schauspieler."

Als einen "großen verrückten Geistesclown im Reigen der Bernhard'schen Bühnenkünstler" hat Intendant Claus Peymann den Schauspieler Walter Schmidinger zu dessen 80. Geburtstag am 28. April gewürdigt. Er sei "Alpenkönig und Menschenfeind zugleich, musikalisch und böse, intelligent und naiv, ein Wirrkopf und großer Denker, blitzgescheit, belesen und hochgebildet, ein schwieriger Mann und ein geliebtes Kind, ein Verrückter und wie Thomas Bernhard natürlich ein echter Österreicher, der alle und alles hasst und dennoch von allen geliebt werden möchte."

Vom Verkäufer zum Ausnahmeschauspieler der "leisen Töne"

Schmidinger wurde am 28. April 1933 in Linz geboren. Er arbeitete zunächst als Verkäufer und Dekorateur in einem Tuchwarengeschäft und spielte nebenbei an der Volkshochschule in einer Laientheatergruppe. Sein Talent fiel auf, und er bekam ein Stipendium für das Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Von dort wurde der Schüler Helene Thimigs ans Theater in der Josefstadt engagiert. 1954 ging er nach Bonn und danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus. Als weitere Stationen seiner Bühnenkarriere folgten die Münchner Kammerspiele, die Schaubühne Berlin, das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und Auftritte bei den Salzburger Festspielen und am Wiener Burgtheater. Dabei verkörperte der "Meister der leisen Töne" nahezu sämtliche große Rollen der Theaterliteratur.

"Immer wie ein Überraschungsgast auf der Bühne"

"Schmidinger wirkt immer wie ein Überraschungsgast auf der Bühne. Ihm ist alles zuzutrauen", schrieb "FAZ"-Kritiker Gerhard Stadelmaier einmal in einem Porträt. Zu Schmidingers Repertoire gehörten die gebrochenen Seelen, die zerrissenen Charaktere, die Narren und die Liebenden. Große Erfolge feierte der Schauspieler, dem Werktreue wichtiger war als "die Sucht am Theater, um jeden Preis zu gefallen", als Weinberl in Nestroys "Einen Jux will er sich machen", als Malvolio in Shakespeares "Was ihr wollt", als Leonce in Büchners "Leonce und Lena" oder als Salieri in Peter Shaffers "Amadeus".

APA/red.

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