Schiefe Optik bei Verein "Freunde der Donauinsel"

Bild: picturedesk.com/APA
Bei der Prüfung des Wiener Vereins "Freunde der Donauinsel"stellte der Wiener Stadtrechnungshof erhebliche Mängel fest.
Fehlende Stundenlisten und Jahresabrechungen und eine schiefe Optik durch die Doppelfunktion des Abteilungsleiters der MA45 - Wiener Gewässer: Bei der Prüfung des Vereins "Freunde der Donauinsel" stellten die Experten des Wiener Stadtrechungshof gleich mehrere Missstände fest. Unter die Lupe genommen wurde die Gebarung des Vereins in den Jahren 2013 bis 2017.

Der Verein "Freunde der Donauinsel" verfolgt das Ziel, durch die Abwicklung und Durchführung von kommerziellen Veranstaltungen Einnahmen für die Donauinsel zu lukrieren. Zwischen 2013 und 2017 organisierte der Verein 19 Veranstaltungen mit rund 882.300 Besuchern. Die meisten Besucher hatte die Beachvolleyball-Weltmeisterschaft, gefolgt vom Musikfestival "Rock in Vienna" und den Afrikatagen.

MA45-Chef in Doppelfunktion für Stadt und Verein

Der Vorstand des Vereins besteht aus zwei Personen, die für eine Funktionsdauer von vier Jahren gewählt werden. Als Vorsitzender agiert der SPÖ-nahe Donauinselfest-Organisator Sascha Kostelecky, sein Stellvertreter ist der Abteilungsleiter der MA45, Gerald Loew.

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Und eben in dieser Doppelfunktion sieht der Stadtrechnungshof als kritisch an. So soll Loew für den Verein einzelne Beauftragungen unterfertigt haben, die er als Vertreter der Stadt kontrollieren sollte.

Prüfer sehen keinen Nachweis für vertraglich vereinbarte Zahlungen

Der Verein "Freunde der Donauinsel" wurde von Beginn an vertraglich verpflichtet, die Erträge aus der operativen Geschäftstätigkeit an die MA 45 abzuführen. Nachweis über tatsächlich erwirtschaftete Erträge und deren Abfuhr an die Stadt konnten jedoch weder vom Verein Freunde der Donauinsel noch von der MA 45 vorgelegt werden, kritisiert der Stadtrechnungshof.

In einer Stellungnahme wehrt sich der Verein: Der Bericht des Stadtrechnungshofes Wien erwecke den Eindruck, dass bislang keine Erträge erzielt wurden. Stattdessen seien die erzielten Erträge zur frühzeitigen Abzahlung des Darlehens verwendet worden.

Aus steuerlichen Gründen wurden die Erträge nicht an die MA 45 ausbezahlt, sondern direkt in die Donauinsel investiert. Zudem seien Rückstellungen in der Höhe von 133.844,16 Euro für weitere Verbesserungen, etwa dem weiteren Umbau der Oberfläche der Festwiese oder der Errichtung von Umkleide- und Duschcontainern für die Beachvolleyballplätze vorgenommen worden.

Wegen MA45-Leiter keine Abrechnungen erforderlich?

Kritik übte der Stadtrechnungshof auch, dass der Verein der Verpflichtung regelmäßig Abrechnungsunterlagen an die MA45 zu liefern, nicht nachgekommen sei. Der Verein verteidigt sich, dass "alle Kontobewegungen des Vereines monatlich durch den Abteilungsleiter der MA 45 eingesehen und abgezeichnet werden". Die Übermittlung "zusätzlicher Unterlagen, wie beispielsweise Jahresberichte" sieht der Verein als "bürokratischen Aufwand" an.

Die Prüfer bemängelten auch die fehlenden Stundenaufzeichnungen des Vorsitzenden und dass, entgegen der Vereinsstatuten, einzelne Verträge nicht durch Kostelecky, sondern seinen Stellvertreter, MA45-Chef Loew unterzeichnet wurden. Daneben soll es auch mündliche Beauftragungen gegeben haben – etwa für PR-Leistungen für Veranstaltungen, Website-Aktualisierungen oder die Abwicklung eines Social-Media-Gewinnspieles – für die es keine Dokumentation gab.

VIP-Tickets für Beachvolleyball-WM an Vereinsmitglieder

Kritisch sahen die Prüfer des Stadtrechnungshofs vor allem auch die Anschaffung von vier Tickets für ein Musikkonzert im Ernst Happel Stadion sowie von insgesamt acht VIP-Tickets für das Event Beach Volleyball World Championship Vienna 2017.

"Ein Bezug zur Tätigkeit des Vereines oder zum Zweck dieser Ausgabe war auf beiden genannten Rechnungen nicht vermerkt", so die Prüfer. Der Verein rechtfertigt sich damit, dass "die Kontrolle der Veranstaltungen in allen Bereichen notwendig sind". Die Konzert-Tickets gingen an Mitglieder eines Produktionslehrgangs, die abschätzen sollten, welche Konzerte auf der Donauinsel produktionstechnisch und "lautstärkentechnisch" umsetzbar wären.

Gleichzeitig versuche der Verein auch, neue Veranstalter für die Donauinsel zu gewinnen. "Um die Möglichkeiten einer Veranstaltung auf der Donauinsel vorzustellen, sind Besuche von potenziellen künftigen Veranstaltern auf bestehenden Veranstaltungen erforderlich. Die dafür notwendigen Karten werden durch den Verein angekauft", betont der Verein.

Laut Aussage des Vereins-Vorsitzenden waren die VIP-Tickets des Beachvolleyballevents (ab 840 Euro pro Karte) aber für Aufsichtsorgane des Vereines und der Stadt Wien vorgesehen.

ÖVP fordert Ende der Zusammenarbeit

"Der Prüfbericht des Stadtrechnungshofs zum Verein Freunde der Donauinsel listet massive Verfehlungen auf und zeigt einmal mehr, dass die Stadtregierung nicht wirtschaften kann", ärgert sich ÖVP-Gemeinderat Wolfgang Ulm.

Der Verein sei ein Sittenbild für die "rote Freunderlwirtschaft" in Wien. Einmal mehr zeige sich, dass die SPÖ die Stadt Wien als ihr Eigentum betrachtet. Nun fordert die ÖVP, die Zusammenarbeit mit dem Verein zu beenden.

Die Prüfberichte des Wiener Stadtrechungshof sind ab heute online und können hier eingesehen werden. (lok)

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