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Schiitische Milizen begehen in Tikrit Gräueltaten au...

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:03

Am 1. April erklärte die irakische Regierung die Befreiung von Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit vom "Islamischen Staat" (IS). Die schiitischen Milizen, die die irakische Armee im Kampf unterstützten, sind anscheinend auf blutige Vergeltung für IS-Gräueltaten aus. Es gibt Berichte über Lynchjustiz, Plünderungen und Brandschatzungen.

Am 1. April erklärte die irakische Regierung die . Die schiitischen Milizen, die die irakische Armee im Kampf unterstützten, sind anscheinend auf blutige Vergeltung für IS-Gräueltaten aus. Es gibt Berichte über Lynchjustiz, Plünderungen und Brandschatzungen.

Seit dem 1. April ist Tikrit offiziell von den befreit. Doch die Bewohner haben keinen Grund aufzuatmen. Gemeinsam mit der irakischen Armee sind nämlich unzählige schiitische Milizen in die sunnitische Stadt einmarschiert. Diese wollen anscheinend Vergeltung für die Gräueltaten des "Islamischen Staates" üben.

Wie Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichten, ist es in der umkämpften Stadt seit der Befreiung zu zahlreichen Plünderungen, Brandschatzungen und Fällen von Lynchjustiz gekommen. Die vermeintlichen Befreier begehen als Rache für IS-Gräueltaten nun selbst zahlreiche Menschenrechtsverletzungen.

Mit Messern hingerichtet

Die Schilderungen der Reporter sind erschütternd: Vor einem Mob sollen Polizisten zwei mutmaßliche Jihadisten mit Messer mehrmals in den Hals gestochen und ihnen anschließend die Kehle durchgeschnitten haben. Immer wieder sehe man schiitische Kämpfer, die die Leichen getöteter IS-Kämpfer durch die Straßen schleifen. Die Gräueltaten erinnern an die menschenverachtenden Hinrichtungen der IS-Jihadisten.

Die schiitischen Milizionäre sollen zudem unzählige Geschäfte geplündert und Häuser angezündet haben. Zahlreiche Sunniten sind bereits vor ihren vermeintlichen Befreiern aus der Stadt geflohen. Die Übergriffe drohen nun, den militärischen Sieg der irakischen Zentralregierung in eine moralische Niederlage zu verwandeln.

Militärischer Sieg, moralische Niederlage?

Die anfänglichen Erfolge der IS-Kämpfer kamen vor allem durch die Unterstützung der irakischen Sunniten zustande, die sich von dern schiitisch dominierten Zentralregierung unterdrückt und diskriminiert sahen. Die blutigen Exzesse der schiitischen Milizen scheinen diese Vorurteile nun zu bestätigen.

"Der Schutz von Menschenleben und Eigentum ist unsere oberste Priorität", betonte Regierungssprecher Rafid Jaboori gegenüber Reuters. Sunnitische Parlamentarier sehen davon allerdings wenig. Die Situation geräte zusehens außer Kontrolle. "Hier findet ein Kampf zwischen den Paramilitärs und der Riegerung um die Kontrolle statt", meint Mutashar al-Samarrai.

 

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