Mit der 1:3-Niederlage am Samstagabend gegen Leipzig hat der deutsche Rekordmeister seine Titelchance aus den eigenen Händen gegeben. Weil Borussia Dortmund am Sonntag Augsburg 3:0 schlug, geht der BVB mit zwei Punkten Vorsprung in den letzten Spieltag. Mit einem Heimsieg gegen Mainz am Samstag ist der Meistertitel fix und wäre die zehnjährige Bayern-Dominanz gebrochen.
Bayern-Kapitän Thomas Müller setzt nach dem Titelkampf-Rückschlag gegen RB Leipzig auf einen Patzer von Verfolger Borussia Dortmund im Meisterschaftsrennen. "Borussia Dortmund muss erstmal beide Spiele gewinnen. Wenn sie das tun, dann sag ich: Hut ab, Gratulation", sagte Müller nach dem 1:3 gegen RB Leipzig. "Und wenn nicht, dann sind wir da – und dann halten wir das Ding hoch. Ich glaube dran."
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Thomas Tuchel könnte als der Trainer in die Geschichte des FC Bayern München eingehen, der in zwei Monaten Amtszeit drei Titel mit dem Fußball-Rekordmeister verspielt hat. "Ich habe keine Erklärung, wie so etwas passieren kann. Wir kommen aus einer guten Phase. Ich sehe die Mannschaft trainieren, sehe die Energie, sehe den Spirit, die Qualität im Training", sagte Tuchel nach dem 1:3 gegen RB Leipzig beim TV-Sender Sky. "Was RB spielt, ist ok. Es hat komplett mit uns zu tun. Wir haben dieses Spiel verloren durch unser Verhalten. Wenn wir verlieren, will ich gegen eine bessere Mannschaft verlieren."
Tuchel prangerte das Verhalten der Spieler wie beim ersten Gegentreffer an. "Wenn du in New York über die Straße gehst, gehst du anders, als wenn du in Bogenhausen über die Straße gehst. Wenn du ohne zu gucken gehst, wirst du überfahren", so Tuchel.
Bayern-Chef Oliver Kahn hat fassungslos auf die Heimniederlage reagiert – gab sich aber trotzdem noch kämpferisch hinsichtlich des Ausgangs im Titelduell mit Borussia Dortmund. "Mein Glaube ist immer da. Ich werde den Teufel tun und hier irgendwas abschenken", sagte Kahn in der Allianz Arena.
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"Es ist bitter. Wir haben es nicht mehr in der eigenen Hand. Aber noch ist es nicht vorbei. Es ist vorbei, wenn der Schiedsrichter unser Spiel am kommenden Samstag in Köln abgepfiffen hat", sagte Vorstandschef Kahn. "Ich bin erstmal enttäuscht über das, was ich hier heute gesehen habe."
Mittelfeld-Star Joshua Kimmich sprach nach der Niederlage gegen Leipzig von einem "Spiegelbild unserer Saison" und erklärte: "Das passiert uns viel zu oft in dieser Saison. Wir haben alles im Griff und brechen wieder mal weg. Wir stehen uns teilweise selbst im Weg. Wir machen viel zu viele Fehler. Wir kriegen die Tore nach einem eigenen Eckball und durch zwei Elfmeter, die mehr als unnötig sind."
Der 28-Jährige analysierte das Spiel ruhig, hielt seine Emotionen zurück: "Soll ich hier vor der Kamera ausrasten? Das werden Sie nicht erleben", sagte er in der Allianz Arena nach dem Spiel, ehe er ergänzte, "in der Kabine und zu Hause dann vielleicht schon."
Dem deutschen Top-Schiedsrichter Deniz Aytekin gelang am Samstag eine gute Partie. Als er aber auf ein mögliches Foul vor dem 1:1 der Leipziger angesprochen wird in der Medienzone, wird er stinksauer. "Im Stadion redet kein Mensch vom Schiedsrichter", zürnte Aytekin gut hörbar in den Katakomben. Der frühere Referee und ZDF-Experte Manuel Gräfe sitze mit seinen 180 Kilo in Berlin "und labert so eine Schei*** und das geht mir langsam gegen den Strich. Das ist ein Wahnsinn." Müller, der wenige Meter daneben stand, stoppte in seinen Ausführungen vor der Kamera und meinte: "Da hören wir gespannt zu."
Am Sonntag entschuldigte sich Aytekin dann via "Bild": "Dann bin ich ausgetickt. Für die Wortwahl möchte ich mich in aller Deutlichkeit entschuldigen. Das war völlig drüber. Ich ärgere mich sehr über mich selber und die Wortwahl."