Österreich

Schlägereien, Zerstörung und Verletzte in der City

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:46

Der Akademikerball der FPÖ hat am Freitagabend in Wien für die erwarteten Proteste gesorgt. Mehrere Demonstrationen gingen durch die Innenstadt, nach ihrer Auflösung kam es zu Gewalttätigkeiten und Sachbeschädigungen. Die Bilanz: 14 Festnahmen und 22 Verletzte, davon 17 Aktivisten und fünf Exekutivbeamte. Der Vorwurf von Polizeiübergriffen wurde laut. Attacken gegen Ballgäste wurden kaum vermeldet.

. Attacken gegen Ballgäste wurden kaum vermeldet.

Die Bilanz ist erschütternd: Zahllose Sachbeschädigungen, Verletzte unter den Polizeibeamten und Demonstranten, heftige Kritik an der Polizei, Festnahmen, Beschimpfungen, eine abgeriegelte Wiener Innenstadt, Millionenkosten und massive Einschränkungen der Pressefreiheit. Mit Turbulenzen um den Akademikerball hatten im Vorfeld so gut wie alle gerechnet - wie die Nacht dann tatsächlich ablief, hat trotzdem fast alle überrascht.

Die Polizei sprach nach der offiziellen Auflösung der Kundgebungen um 19 Uhr von insgesamt 6.000 Demo-Teilnehmern. In der Folge startete eine gewaltbereite Gruppe - laut einem Polizeisprecher mehr als hundert Personen - beim Stephansplatz ihre Attacken. Es wurden Knaller und Farbbeutel geworfen, bei einem Fahrzeug ging eine Scheibe zu Bruch. Ein Polizei-Sprecher berichtete von vielen, offenbar ziellosen Sachbeschädigungen.

Polizeiwache mit Steinen und Brettern attackiert  

Wild ging es etwa Am Hof ab, wo laut Augenzeugen ein Streifenwagen der Polizei schwer beschädigt wurde und Demonstranten mit Brettern und Steinen auf die dortige Polizeiwache losgingen. Beim Stephansplatz versuchte ein Demonstrant, in die dortige Bank-Austria-Filiale einzudringen, scheiterte aber am Panzerglas. Laut ORF-"Zeit im Bild" gingen in der Wipplinger Straße Auslagenscheiben zu Bruch.

Gegen 21:30 Uhr wusste man bei der Polizei von zumindest zehn Festnahmen, es wurden aber noch mehr erwartet. Die genaue Zahl wollte die Polizei am Samstag bekanntgeben. Bei der Bellaria waren rund 500 Demonstranten von Polizisten eingekesselt. Hinter dem Burgtheater waren zu diesem Zeitpunkt kaum noch Demonstranten. Auch dort war die Polizei eingeschritten, Pfefferspray und Schlagstöcke kamen zum Einsatz.

Polizei rechtfertigt "Waffengebrauch"

Das Bündnis "Offensive gegen Rechts" wertete das Vorgehen als "massive Polizeigewalt". Bei der Exekutive verteidigte Sprecher Roman Hahslinger angesichts der "massiven Sachbeschädigungen" diesen "Waffengebrauch". Abgesehen von immer wieder blockierten Taxis kamen die Gäste unbehelligt zu der Nachfolgeveranstaltung des WKR-Burschenschafterballs, hieß es bei der Polizei.

Bei der FPÖ wusste man später aber von zumindest einem Zwischenfall, bei dem eine Frau Schläge gegen Stirn und Brust erlitten habe. Der weiträumige Platzsperre rund um die Hofburg hielt. Genau diese und die Einschränkungen für Journalisten hatten am Freitag für Proteste gesorgt. Der ORF-Redakteursrat, jener von Puls 4 und auch "Reporter ohne Grenzen" kritisierten das Platzverbot. Die Wiener Polizei hatte es mit "der potenziellen Gefährdungslage" begründet.

"Linke und Linksextremisten"  

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache schaffte es indes ohne Störungen in die Hofburg zum Ball, wie er in einem Video-Statement erklärte. Es sei bedenklich, dass "Linke und Linksextremisten" gegen einen Wiener "Traditionsball" mobilisierten. Den Ball werde man auch in Zukunft "mit Sicherheit nicht" aufgeben. Für den Wiener FP-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein war das Bild eindeutig. "Die Linke hat ihre schwarz verhüllten Stiefeltruppen losgelassen, um eine Spur der Gewalt und Verwüstung durch die Bundeshauptstadt zu ziehen."

Lesen Sie weiter: Der Live-Ticker zum Akademikerball mit allen Infos, Fotos und Videos!

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen