Österreich

Schmiergeld aus der Luft bei Kunstaktion in Wien

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:34

So nachhaltig und langwierig diverse Korruptionsskandale die österreichische Öffentlichkeit beschäftigen, so kurzlebig können sich manche Protestaktionen gegen sie erweisen. Nach etwas mehr als fünf Minuten war die Aktion "Antikorruption 04/12" des Künstlers Emmerich Weissenberger Sonntag Vormittag auch schon wieder vorbei.

So nachhaltig und langwierig diverse Korruptionsskandale die österreichische Öffentlichkeit beschäftigen, so kurzlebig können sich manche Protestaktionen gegen sie erweisen. Nach etwas mehr als fünf Minuten war die Aktion "Antikorruption 04/12" des Künstlers Emmerich Weissenberger Sonntag Vormittag auch schon wieder vorbei.

Bei strahlendem, doch klirrend-kaltem Winterwetter ließ sich Weissenberger von einem Hubschrauber auf der von der Polizei kurzfristig gesperrten Wiener Lassallestraße vor der Telekom-Zentrale absetzen, stopfte mitgebrachtes "Schmiergeld" in einen Schlitz, der auf einer bemalten und mit "A...Theater" beschrifteten, 4,5 mal 3,5 Meter großen Leinwand passend zwischen den Pohälften eines roten, gemalten Hinterteils angebracht war.

Die versammelte Presse ließ er per Megafon wissen: "Es reicht! Für alle. Wir wirtschaften im Kreis. Und das ist uns Reichtum genug." und flog mit dem Hubschrauber wieder davon. Dazwischen hatte der 1966 in Graz geborene Künstler, der am Karfreitag 2010 mit einer "Kreuzigungs-Aktion" auf dem Wiener Stephansdom gegen kirchliche Missbrauchsfälle protestiert und dabei viel Aufsehen erregt hatte, noch Zeit für ein Kürzest-Interview.

Telekom symbolisch für andere

Kunst oder Polit-Aktionismus? "Beides!" Warum die Telekom? "Symbolisch für alles andere!" Sieht er sich in der Tradition des Wiener Aktionismus? "Sie sind meine Väter!" In verteilten Statements wurde Weissenberger, der an der Akademie der Bildenden Künste bei Gunter Damisch und Franz Graf studierte, ausführlicher: "Ich will mit dieser Kunstaktion ausdrücken, was wir alle fühlen. Es gehören endlich wieder Anstand und Würde in die Politik."

"Wir brauchen mehr direkte Demokratie. Das A... steht für Antikorruption ebenso wie für Austria, aber eben auch für jenen Ort, wo viele Menschen die meisten Politiker am liebsten hinschicken würden. Es ist einfach ein A...-Theater, was wir jeden Tag zu sehen bekommen: Ex-Minister mit Geldkoffern, die für ihre Schwiegermütter Geldboten spielen, Konzerne, die Politiker schmieren, die halbe ehemalige Bundesregierung, die unter Korruptionsverdacht steht. Wie verkommen ist die Politik in unserem Land eigentlich?"

Zurückgelassenes Schmiergeld

Mit dem zurückgelassenen Schmiergeld - angeblich insgesamt 10.000 Banknoten - wird sich auch in der Schattenwirtschaft übrigens nicht viel anfangen lassen: Die in Orangetönen gehaltenen, zeichnerisch gestalteten Scheine, sind zwar mit dem Wert "1000", nicht aber mit einer Währung bedruckt. Wohl, damit der künstlerische Schmiergeld-Produzent nicht als Falschgeld-Erzeuger angezeigt werden kann.

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