Niederösterreich

Schnabl fordert Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

Am Tag der Wissenschaft fordert SPNÖ-Chef Franz Schnabl Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Das soll für mehr Chancengleichheit sorgen.
10.11.2021, 13:36

An österreichischen Hochschulen ist der weibliche Anteil in Führungspositionen deutlich geringer als der männliche. Obwohl Frauen ebenso häufig studieren und promovieren, machen sie seltener Karriere in der Wissenschaft. „Männer machen Karriere, Frauen steigen aus oder seltener auf: Das betrifft andere Fachkräfte ebenso wie die Akademikerinnen. Aber auch in der Wissenschaft müssen Familie, Kinder und Karriere vereinbar sein. Deshalb ist mehr Kinderbetreuung notwendig – an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen sowie generell in ganz Niederösterreich“, erklärt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender Franz Schnabl am heutigen Welttag der Wissenschaft.

Ungerechtigkeit und mangelnde Chancengleichheit seien immer problematisch, egal ob sie Studierende, Wissenschafter, Einzelhandelskaufleute oder Pflegekräfte betreffen, sagt Schnabl. „Wenn wir Forschung und Entwicklung in unserem Land zum Aushängeschild machen wollen, dann müssen wir Investitionen tätigen. Investitionen in Kinderbetreuung“, fordert er.

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"Großer Aufholbedarf"

Das habe, erklärt Schnabl, einen Win-Win-Effekt: „Einerseits wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht – nicht nur in der Wissenschaft, sondern für alle arbeitenden Eltern. Andererseits legt frühkindliche Bildung den Grundstein für Chancengerechtigkeit und den späteren Erfolg von Kindern. Auf diesem Gebiet hat Österreich, vor allem Niederösterreich, großen Aufholbedarf. Deshalb fordern wir einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Kostenfrei auch am Nachmittag.“

In Dänemark würden etwa 66 Prozent der Unter Dreijährigen betreut, in den Niederlanden liegt die Betreuungsquote bei 65 Prozent, in Österreich bei weniger als 30 Prozent. „Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass Kinder, die von klein auf Betreuungsangebote genießen, in der Zukunft ein besseres Bildungsniveau, Einkommen und Gesundheit haben.“ In Niederösterreich gebe es weniger und unzureichende Angebote zur Kinderbetreuung, weshalb die Verantwortung oft bei den Müttern bleibt.

Unterstützung aus der Wissenschaft

Unterstützung bekommt Schnabl auch vom renommierten Mathematiker Wolfgang Ecker-Lala. „Wenn ich mich in einer technisch-naturwissenschaftlichen Lehrveranstaltung im Hörsaal oder Seminarraum umblicke, sehe ich in den Reihen leider immer noch nicht gleich viele Frauen wie Männer sitzen. Die meisten dieser Lehrveranstaltungen werden bzw. müssen von männlichen Kollegen abgehalten werden. Und in den Lehrbüchern stehen vor allem Texte von Männern. Wird eine Studentin dadurch wirklich motiviert, in der Wissenschaft Karriere zu machen? Ist das für sie Ansporn oder bringt es eher die Frustration, dass Frauen vor allem in den MINT-Wissenschaften kaum Karriere machen?“, fragt dieser.

„Die derzeitige Situation ist nicht gerade förderlich für Kreativität und neue Ansätze in der Wissenschaft. Das Geschlechterverhältnis in Österreich wirkt im EU-Vergleich nicht mehr zeitgemäß“, erklärt er weiter.