Im Herbst stehen die nächsten Lohnrunden auf dem Programm. Die Konjunktur trübt sich ein, und vor allem die Industrie stellt sich auf einen Abschwung ein. Was bedeutet das für die bevorstehenden Lohnrunden? Dazu war Karl Dürtscher, Chefverhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten, am Donnerstag zu Gast bei Marie-Claire Zimmermannin der ORF-Sendung "ZIB2".
Dabei zeigte sich der Gewerkschafter in Angriffslaune. In den vergangenen Jahren habe man immer wieder Gewitterwolken herbeibeschwört und sei im Rückblick dann draufgekommen, dass es sich lediglich um Schönwetterwolken gehandelt habe. Wenn man die letzten Woche betrachte, sehe man, dass bei den Ausschüttungen für Aktionäre nicht gespart worden sei.
Aber jene, die Kredite bedienen müssen, bekämen Schweißperlen, die Sparer blieben ohnedies übrig. Dürtscher ist überzeugt, dass es den meisten Unternehmen gut ginge. Und solange die Aktionäre bedient würden, könne es nicht sein, dass die Arbeiter, leer aus gehen. Wenn es um eine faire Entlohnung gehe, "geht sich das auf einmal nicht aus". Das werde die Gewerkschaft nicht zulassen.
Wenig überraschend hart ging er mit der Bundesregierung ins Gericht. Die Menschen hätten die acht Prozent Inflation schlucken müssen, die Regierung habe das Volk "im Stich gelassen". Zimmermann warf eine Teuerungsprämie ein, die die Unternehmen ihren Arbeitern zur Verfügung stellen könnten. Eine Einmalzahlung sei rasch wieder weg, die Inflation bleibe. Dürtscher brachte einen Vergleich: Einmalzahlungen seien der "Schnittlauch auf dem Brot, aber sie sind nicht die Butter und sie sind nicht das Brot."
Auf eine Prognose, wie lange die Verhandlungen im Herbst dauern werden, wollte sich der Gewerkschafter nicht einlassen.