Österreich

Schnitzelklopfer-Prügler in Anstalt eingewiesen

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:57

Der 89-Jährige, der im Frühjahr 2013 in Wien gleich drei Frauen mit einem Schnitzelklopfer attackiert hatte, wird in eine Anstalt eingewiesen. Diese bereits rechtskräftige Entscheidung wurde am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht gefällt. Die Opfer seien für ihn keine Frauen gewesen, er habe sich "am Schicksal rächen wollen", stellte der Pensionist fest. Der hochbetagte, aber rüstige Mann hatte auch Polizisten mit dem Tod bedroht. Kurz zuvor hatte ihn seine Frau verlassen.

Der 89-Jährige, der im hatte auch Polizisten mit dem Tod bedroht. Kurz zuvor hatte ihn seine Frau verlassen.

Auf die Frage, ob er wisse, warum er vor Gericht sei, erwiderte der 89-Jährige: "Ich hab' angeblich mit einem Gegenstand Leuten auf den Kopf g'haut." Mit der Entscheidung, wonach er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen wird, war der Angeklagte keineswegs einverstanden. "Da geh ich nicht hin! Nach Göllersdorf geh ich nicht! Da werd' ich misshandelt. Im besagten Ort befindet sich die an ein psychiatrisches Krankenhaus angelehnte Justizanstalt Göllersdorf, die auf geistig abnorme Rechtsbrecher spezialisiert ist.

Ich melde Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an", schrie der Mann nach der Urteilsverkündung. Und weiter: "Wenn meine Anwältin nicht Berufung macht, kündige ich ihr die Vollmacht". Nach eingehender Beratung mit seiner Rechtsvertreterin Kristina Venturoni-Köck, die ihm zusicherte, ihm im Rahmen des Maßnahmenvollzugs einen anderen Platz zu suchen, verzichtete der 89-Jährige schließlich doch auf Rechtsmittel. Die Entscheidung des Schöffensenats ist damit rechtskräftig.

"Jetzt stirbst du"

Als am 30. April eine Frau im Prater auf einer Parkbank Platz nahm, näherte sich der 89-Jährige der Staatsanwaltschaft zufolge von hinten und schlug ihr einen harten Gegenstand - vermutlich eine Eisenstange - auf den Kopf. Bei zwei weiteren, ähnlich gelagerten Vorfällen bediente sich der Mann jeweils eines Fleischklopfers.

Am 3. Mai ging er damit - begleitet von den Worten "Jetzt stirbst du" - auf eine Spaziergängerin los, am 5. Mai verletzte er wieder eine Frau auf einer Parkbank am Hinterkopf. Altersbedingt hielten sich Wucht und die hinter den Schlägen steckende Kraft in Grenzen. Die Opfer wurden jeweils nur leicht verletzt, die Attacken hatten jedoch zum Teil erhebliche psychische Folgen. Eine Frau traut sich seither nicht mehr in die Hauptallee. "Sie hat echt Angst", verriet ihre Rechtsvertreterin dem Schöffensenat (Vorsitz: Ingrid Altmann).

Eine der Frauen war eine 30-jährige Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter im Kinderwagen einen Spaziergang unternommen hatte. Sie las gerade ein Buch, als sie den alten Mann im Augenwinkel wahrnahm. Mir war aber nicht bewusst, welches Risiko von ihm ausging." Plötzlich habe sie einen Schlag verspürt: "Mein erster Gedanke war, etwas ist von einem Baum gefallen."

Opfer (30): "Hatte Angst um mein Leben"

Als sie sich umdrehte, habe sie den Mann gesehen, der soeben zu einem zweiten Schlag ausholte, wobei sie in seiner linken Hand den Kopf eines Fleischklopfers erkannte: "Ich bin erschrocken. Ich hatte Angst um mein Leben." Die 30-Jährige sprang auf und begab sich mit dem Kinderwagen im Laufschritt zu einer Menschengruppe, die rund 50 Meter entfernt stand. Augenzeugen verständigten die Polizei, die den 89-Jährigen festnahmen und ins Otto-Wagner-Spital brachten. Die 30-Jährige kam in ein Krankenhaus, wo ihre Schnittwunde am Hinterkopf genäht wurde.

Polizisten mit dem Tod bedroht

Der 89-Jährige wiederum geriet im Otto-Wagner-Spital mit der Justizwache in einen Konflikt, weil die Beamten darauf bestanden, dass er auch seinen Ehering abstreifen und zu den Depositen geben musste. Die Wachebeamten wären "nicht berechtigt" gewesen, ihm den Ring abzunehmen, sagte der Angeklagte. "Wenn man verheiratet ist, muss man den Ehering nicht hergeben."

Der 89-Jährige soll nämlich Anstalten gemacht haben, diesen zu verschlucken. Weil er den Ring nicht hergeben wollte, soll der betagte Mann gedroht haben, er werden die Beamten "töten, wenn ihr mir den Rücken zudreht". Er soll sie auch mit Essensresten beworfen und mit Schimpfwörtern wie "Scheißkas" und "Drecksau" bedacht haben.

Das sei gelogen, echauffierte sich der 89-Jährige, als die Beamten im Zeugenstand diese Abläufe schilderten: "Pfui Teufel! Die Justiz lügt! Pfui Teufel! Ich tät' mich genieren."

"Ich war narrisch, weil sie weg war"  

"Attackiert hab' ich die? Das ist mir neu", meinte der 89-Jährige zu Beginn seiner Einvernahme zu den Vorwürfen. Nach kurzer Bedenkzeit stellte er klar: "Für mich waren das keine Frauen. Das war das Schicksal, das verdammte." Er habe sich damals "in einem furchtbaren Zustand" befunden. Seine Ehefrau - eine um 30 Jahre jüngere Thailänderin - war Ende Jänner aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, weil der Mann ihr gegenüber wiederholt ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt haben soll. Sie kehrte nach Thailand zurück und hat mittlerweile die Scheidung eingereicht.

"Das war wie wenn einen der Blitz erschlagen hätt'. Ich war narrisch, weil sie weg war. Die Wohnung war ausgeräumt. Ich war wahnsinnig. Ich hab' nicht mehr denken können", gab der 89-Jährige zu Protokoll. Da habe er sich "am Schicksal rächen wollen. Ich bin ja immer ausgenutzt worden in meinem Leben". Laut Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer leidet der betagte Mann an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissoziativen, emotional instabilen und paranoiden Strukturen.

Einweisung in Anstalt wahrscheinlich

Da Dantendorfer befürchtet, dass der 89-Jährige infolge seiner psychischen Erkrankung erneut eine Straftat mit schweren Folgen begehen könnte, empfahl er diesen zeitlich unbefristet in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen.

"Ich weiß nicht, ob das bei jemandem, der im kommenden September 90 wird, der richtige Platz ist", bemerkte Verteidigerin Kristina Venturoni-Köck, die auch als Sachwalterin für den Mann auftrat.

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