Ein Vorfall, wie er sich wohl jeden Tag abspielt: Ein Tierbesitzer merkt, dass es mit seinem Schützling langsam zu Ende geht, er Schmerzen hat und nur noch leidet.
Die schmerzliche, aber logische Folge: Man ruft den Veterinär an, um das Tier von seinen Leiden zu befreien. So passierte es auch im Mai 2022 in der Gemeinde Zagnansk in Polen: Eine Frau rief den Tierarzt, damit ihr Hund eingeschläfert werden würde. Leider kam dieser nie bei ihr an – aber für ein anderes, gesundes Tier endete der Tag tödlich.
Was war passiert? Der Tierarzt machte gleich mehrere, im Nachhinein schwer nachvollziehbare Fehler. Zunächst einmal verwechselte er die Adressen von zwei seiner Klienten und fuhr zu einem anderen Haus. Aber anstatt noch einmal Rücksprache mit den Besitzern des fünfjährigen Stefan zu halten und das Tier vorher zu untersuchen, schläferte er den gesunden Schäferhund direkt ein. Und das auch noch mit einem Präparat, für das er keine Nutzungsbefugnis hatte.
Der Besitzerin, die zunächst dachte, der Tierarzt sei wegen einer Impfung hier, sagte der Tierarzt nur: "Er kommt nicht mehr zu Ihnen. Ich habe ihn eingeschläfert. Ist das hier Straße xy? Nein? Dann habe ich die falsche Adresse. Sie werden sich einen neuen Hund kaufen." Dann ließ er die schockierten und entsetzten Besitzer von Stefan einfach zurück.
Ein Jahr später musste sich der 75-jährige Tierarzt vor Gericht verantworten. Er machte sich nicht nur schuldig, weil er ein Medikament verabreichte, für das er keine Zulassung hatte, sondern auch, weil er dieses falsch einsetzte: Eigentlich hätte er vorab ein Schmerzmittel einsetzen müssen, das mögliche Komplikationen des Einschläferungsmittels eingedämmt hätte.
Das Urteil: ein halbes Jahr Haft auf Bewährung sowie ein einjähriges Berufsverbot, außerdem eine Zahlung von umgerechnet 517 Franken an ein Tierheim. Der Tierarzt bekannte sich selbst für schuldig und sagte, es tue ihm sehr leid. Schäferhund Stefan bringt das allerdings nicht zurück.