Welt

Schotten bleiben bei Großbritannien

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:19

Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat das Referendum über die Loslösung von Großbritannien verloren. Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten stimmten mit "Nein". Ministerpräsident Alex Salmond kündigte nach der Entscheidung seinen Rücktritt an. Katalonien, das die Unabhängigkeit von Spanien anstrebt, ist hingegen weiterhin fest entschlossen.

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Die Schotten stimmten mit einer großen Mehrheit von 55 zu 45 gegen die Unabhängigkeit. Die Meinungsumfragen vor der Abstimmung hatten wochenlang ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen beider Lager vorhergesagt. Schließlich hat die Angst vor den doch gesiegt.

Salmond nimmt Hut

Ministerpräsident und Unabhängigkeits-Verfechter Alex Salmond kündigte noch am Freitag seinen Rücktritt als Regierungschef und Parteivorsitzender der SNP an. Er werde auf dem Parteitag in Perth nicht mehr kandidieren, sagte Salmond am Freitag. Er ist seit 2007 Erster Minister Schottlands.

Für ihn als Spitzenpolitiker sei die Zeit fast abgelaufen, aber für Schottland gehe die Kampagne weiter. "Der Traum (von der Unabhängigkeit) wird niemals sterben", sagte der 59-Jährige.

"Jedes Mitglied der Yes-Kampagne ist tief enttäuscht. Aber Schottland hat sich für immer verändert", sagte Vize-Regierungschefin Nicola Sturgeon. Der Regierung in London um Premierminister David Cameron ist es gelungen, die Abspaltungstendenzen des ölreichen Schottlands erfolgreich abzuwehren.

Nicht genug Wähler mobilisiert

Die Schottische Nationalpartei von Ministerpräsident Alex Salmond, die vehement für die Unabhängigkeit eingetreten war, konnte in ihren Hochburgen nicht genügend Wähler mobilisieren. Die Metropole Glasgow und die Stadt Dundee stimmten zwar mehrheitlich für die Abspaltung. Glasgow, die mit rund 600.000 Einwohnern größte Stadt Schottlands, hatte mit 53 Prozent für die Unabhängigkeit gestimmt. Die Wahlbeteiligung war aber hier nicht hoch genug, um das Ergebnis aus anderen Regionen umkehren zu können. Die Hauptstadt Edinburgh ging mit 61 zu 39 Prozent an die "Nein"-Wähler.

Bei einer insgesamt sehr hohen Wahlbeteiligung von mehr als vier Fünftel der Wahlberechtigten hatten sich am Donnerstag in Stoßzeiten lange Schlangen vor den Wahllokalen in den 32 Wahlbezirken Schottlands gebildet. Das Thema hatte die Bevölkerung in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land im Norden Englands monatelang elektrisiert.

Mehr Selbstständigkeit

Die britische Regierung kündigte am Freitag mehr Autonomierechte für das Parlament in Edinburgh, aber auch für andere Teile des Vereinten Königreichs an. "So wie die Schotten mehr Macht über ihre Angelegenheiten haben werden, so müssen auch die Menschen in England, Wales und Nordirland mehr Mitsprache haben", so Cameron.

Queen versprach Schotten Unterstützung

Die britische Königin Elizabeth II. hat Schottland nach dem gescheiterten Referendum Unterstützung für die Zukunft versprochen. Sie habe keine Zweifel, dass die Schotten "in einem Geist von gegenseitigem Respekt und Unterstützung" zusammenfinden könnten, um konstruktiv an der Zukunft Schottlands und allen Teilen Großbritanniens zu arbeiten, so die Queen.

"Meine Familie und ich werden tun, was wir können, um Ihnen bei dieser wichtigen Aufgabe zu helfen und zu unterstützen", fügte die Monarchin am Freitag von ihrer schottischen Residenz Balmoral aus mit.

Kein eigenes englisches Parlament

Bisher gibt es in Schottland, Wales und Nordirland Regionalparlamente - in England aber nicht. Das britische Parlament in London stimmt bisher über englische Fragen ab, auch Abgeordnete aus den anderen Regionen dürfen dabei mitwählen. Das will die Regierung Cameron nun ändern. Allerdings wird man "keine neue Verwaltungsebene" hinzufügen, also kein neues Parlament für England schaffen. Eine Variante, die bisher kursierte, sieht vor, schottischen Abgeordneten und wohl auch ihren walisischen und irischen Kollegen in London das Stimmrecht über englische Angelegenheiten zu entziehen.

Alle erleichtert - besonders die EU

Inzwischen war in Europa nach dem Nein und schottischen Referendum ein Aufatmen zu hören. "Ich gebe zu, mich erleichtert das Ergebnis", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte das Ergebnis. Die Börsen reagierten ebenfalls positiv, der Pfund legte zu. Die Bank of England wolle sich nicht zum Ergebnis äußern.

Nach Meinung von Beobachtern macht der Verbleib des eher proeuropäisch eingestellten Schottland den Verbleib des Vereinten Königreichs in der Europäischen Union wahrscheinlicher. Die Regierung Cameron hat im Fall eines Wahlsieges bei den nächsten Parlamentswahlen ein Referendum über den Austritt Großbritanniens angekündigt. Auch waren bei einer Entscheidung zur Unabhängigkeit stärkere Auswirkungen auf andere Regionen in Europa wie Katalonien erwartet worden.

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