Der Schock stand Tadej Pogacar ins blutverschmierte Gesicht geschrieben. Nach einem schweren Sturz auf der achten Etappe muss der Radsport-Superstar seinen Traum vom ersten Triumph bei der Spanien-Rundfahrt verletzungsbedingt aufgeben - der Kampf um das Rote Trikot ist nach dem Ausstieg des slowenischen Dominators wieder völlig offen.
33 Kilometer vor dem Ziel in Xeraco passierte das Unglück: Pogacar stürzte und kollidierte dabei mit anderen Fahrern im Peloton. Wie auf Bildern in den Sozialen Medien zu sehen war, fuhr er unmittelbar vor seinem Crash wohl über einen kleinen Stein. Er hielt sich in der Folge den linken Arm, an seiner linken Schulter und im Gesicht waren deutliche Verletzungen und Blut zu sehen. Er wirkte kurz benommen, ging aber selbst in den Krankenwagen und ließ sich behandeln.
Der fünfmalige Tour-de-France-Gewinner Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) war mit einem großen Vorsprung von 3:50 Minuten auf den Spanier Enric Mas in die achte Etappe gegangen - musste aber mit schmerzverzerrtem Gesicht erstmals bei einer Grand Tour aufgeben. "Ein schrecklicher Crash", sagte UAE-Sportdirektor Matxin Joxean Fernandez: "Das sind Sachen, die im Radsport passieren. Man kann nicht sagen, dass irgendjemand dafür die Verantwortung hat." Pogacar habe weitermachen wollen, angesichts der deutlich sichtbaren Verletzungen habe man aber "eine Entscheidung treffen müssen", sagte Fernandez. Es werde nun auf die Ergebnisse der Untersuchungen gewartet.
Pogacar hatte bei der Vuelta auf den ersten sieben Etappen insgesamt drei Tagessiege gefeiert und nur fünf Wochen nach seinem Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt mit gewohnter Dominanz beeindruckt. Hinter seiner Teilnahme an der Ende September stattfindenden WM in Montreal, wo Pogacar eigentlich seinen dritten Weltmeistertitel in Folge gewinnen will, steht ein dickes Fragezeichen.
Den Tagessieg sicherte sich am Samstag im Massensprint der Franzose Bryan Coquard vom Team Cofidis vor dem Dänen Mads Pedersen (Lidl-Trek). Neuer Gesamtführender ist der Spanier Mas vor dem Österreicher Felix Gall (Decathlon CMA CGM/+1:11 Minuten) und Vuelta-Rekordsieger Primoz Roglic (Slowenien/+1:33 Minuten) vom deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe - nach dem Aus von werden die Karten wieder neu gemischt.
Durch das Aus des fünfmaligen Tour-de-France-Siegers erhöhen sich die Chancen von Felix Gall beträchtlich. Der Osttiroler war als Vierter in die Samstag-Etappe gegangen. Neuer virtueller Spitzenreiter auf dem flachen Abschnitt war der Spanier Enric Mas, der etwas mehr als eine Minute vor Gall liegt.