Schuhe anprobieren geht problemlos über das Smartphone

Mithilfe von sogenannten Augmented-Reality-Filtern können Schuhe der Luxusmarke Gucci von zu Hause aus virtuell anprobiert werden. Andere ziehen nach.

Der Onlinehandel boomt während der Corona-Krise. Ein Aspekt bleibt dabei für die Shopper allerdings auf der Strecke: Das Anprobieren der Produkte ist ohne den Gang ins Geschäft vor dem Kauf nicht möglich. Es kann höchstens ein bereits bezahltes Kleidungsstück wieder zurückgeschickt werden. Dafür ist aber ein Gang auf eine Poststelle nötig.

Nun haben sich einige Verkäufer während der Lockdowns in verschiedensten Ländern Gedanken dazu gemacht, wie man es den Kunden dennoch ermöglichen kann, einen Eindruck davon zu bekommen, wie ein Kleidungsstück oder ein Schuh an ihnen aussehen würde. Um dies möglich zu machen, haben sie sogenannte AR-Filter (AR steht für Augmented Reality oder Erweiterte Realität) entwickelt, die genau dies tun.

Make-up virtuell Testen

Besonders geeignet für diese Technologie sind Apps wie Snapchat oder Instagram, auf denen verschiedenste AR-Filter sowieso bereits äußerst beliebt sind. So hat beispielsweise die Luxusmarke Gucci diesen Sommer einen Filter für Snapchat kreiert, mit dem man die neuesten Sneakers virtuell an den eigenen Füßen ausprobieren kann (siehe Video). Mit Tippen ändert man das Modell oder die Farbe der Schuhe. Auch Champs Sports, Sally Hansen und Hoka One One sind nachgezogen und haben eigene Filter für ihre Produkte kreiert.

Das virtuelle Testangebot beschränkt sich aber nicht nur auf Schuhe. So haben die französischen Kosmetikhersteller Sephora und L’Oréal bereits Filter entwickelt, die ihren Kunden zeigen sollen, wie sie mit einer bestimmten Make-up-Palette oder einem Haarfärbemittel aussehen würden.

"Wandel passiert schneller als erwartet"

Mitunter ein Grund für den Erfolg solcher AR-Filter ist laut "Handelsblatt" der Snapchat-CEO Evan Spiegel, der selbst Innovationstreiber und Visionär in Sachen AR sei. Außerdem eignet sich die App äußerst gut für Fashion-Marketingzwecke, da sie insbesondere Menschen im Alter zwischen 13 und 34 Jahren anspricht. Die Covid-19-Krise habe dazu geführt, dass "die Unternehmen an den Tisch kommen und wirklich verstehen, wie Augmented Reality ihr Geschäft vorantreiben kann", sagt Spiegel. "Wir sind begeistert, weil dieser Wandel schneller passiert als erwartet und es einfach aufregend ist, zu sehen, wie viele Marken mit dieser völlig neuen Kategorie herumspielen."

Snapchat ist aber nicht allein, was die Verwendung von AR-Werbefiltern angeht. So hat der Facebook-Chef Mark Zuckerberg diesen Herbst mitteilen lassen, dass man auch bei Facebook und Instagram einige AR-Vertriebswerkzeuge und Anzeigeformate einführen wolle. Damit solle es möglich werden, dass die Nutzer Lippenstifte oder Sonnenbrillen virtuell ausprobieren.

Die sozialen Medien sind jedoch nicht die Ersten, die solche AR-Werbung zum Einsatz bringen. Bereits 2019 hat es die App Wannaby möglich gemacht, vor einer Onlinebestellung Schuhe virtuell auszuprobieren. Der Vorteil der Integration in die Social-Media-Plattformen ist allerdings, dass die Nutzer keine separate App benötigen, um die gewünschten Produkte auszuprobieren.

Technologie im Anfangsstadium

Die Werbung via AR funktioniere tatsächlich, schreibt Julie Ask, Chef-Analystin der Marktforscher-Seite "Forrester", in einem Blog-Beitrag. "Die virtuelle Anprobe – wenn sie vom Verbraucher genutzt wird – erhöht die Kaufrate und die Menge der getesteten Produkte", so ihr Fazit.

Dennoch befindet sich die Technologie in ihrem Anfangsstadium. So ist es laut Ask kein Wunder, dass bisher insbesondere Schuhe oder Brillen für AR-Werbung verwendet werden. Bei den Füßen handelt es sich um klar abgegrenzte Körperteile, die sich nicht allzu stark bewegen. Schwieriger werde es bei Produkten wie Kleidern oder Hosen. Ob eine Bluse tatsächlich sitzt oder eine Jeans um die Hüften zu eng oder zu locker ist, kann man schließlich mit einem Filter nicht abbilden.

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