2015 kam Adnan (Name geändert) mit seiner Familie aus dem Irak nach Österreich. Viel prasselte auf den damals Elfjährigen ein: Ein neues Land, eine neue Sprache, häufige Umzüge und Schulwechsel. Nach der Mittelschule wusste er: "Ich will Mechatroniker werden." Doch der Weg dorthin ist nicht leicht.
Das Caritas-Projekt "reStart", das im Mai zehnjähriges Jubiläum feiert, ist für Jugendliche wie Adnan eine wichtige Stütze. Der 19-jährige stieß über einen Cousin auf das Angebot, half ein Jahr lang mit. Das Konzept: Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 21 Jahren, die weder Ausbildung noch Arbeit haben, bekommen in der Ottakringer Werkstätte die Möglichkeit, einige Stunden mitzuhelfen. Aus Abfallprodukten machen sie im Upcycling-Prinzip Hochwertiges für das Alltagsleben.
Aus Altglas werden Trinkgläser, aus alten Planen Taschen, aus Kupferdraht Ohrschmuck. Zum Einen erhalten die Jugendlichen dafür ein therapeutisches Taschengeld von 4,50 Euro, zum Anderen sollen sie so wieder ans Arbeits- und Ausbildungsleben herangeführt werden. Vor Ort gibt es sozialarbeiterische Unterstützung sowie Lernhilfe. Das Angebot ist freiwillig, eine Anmeldung nicht nötig. Maximal acht Mal pro Monat dürfen die Jugendlichen derzeit kommen – denn die Nachfrage ist groß, wie Leiter Robert Huemer berichtet.
"Vor der Pandemie hatten wir teilweise über 100 Prozent Auslastung, aber auch jetzt sind wir schon wieder bei 75 bis 100 Prozent. Das variiert natürlich von Schicht zu Schicht. Wir mussten auch schon jemanden wegschicken, die Person bekommt dann allerdings einen Folgetermin in der selben Woche." Ein Großteil der Jugendlichen, die zu "reStart" kommen, hatten es im Leben nicht leicht. Sie haben Fluchthintergrund, waren von Wohnungslosigkeit betroffen oder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, in denen auch die finanziellen Mittel gering sind.
Adnan hat das Projekt geholfen, Selbstvertrauen aufzubauen: "Ich habe hier gelernt, ohne Angst vor Fehlern zu arbeiten. Es hat mir Selbstvertrauen gegeben und ich habe erfahren, was ich eigentlich alles kann." Ähnlich ging es Julia, die 2015 aus dem Libanon nach Wien kam. "Ich habe die Pflichtschule abgeschlossen und schnell Deutsch gelernt", erzählt sie. Um danach Erfahrungen zu sammeln, wurde sie bei "reStart" aktiv. "Ich habe hier Nähen gelernt, mache Rucksäcke und Taschen", sagt sie stolz. "Mein Deutsch hat sich verbessert und man lernt nette Leute kennen."
Auf die Beziehungsarbeit lege man großen Wert, betont auch Huemer. "Es geht darum, zu motivieren, zu unterstützen und Vermittlungshindernisse abzubauen, damit die Jugendlichen eine Ausbildung oder einen Job finden." Gerade während der Pandemie hätten junge Leute stark gelitten, Sozialkontakte gingen zurück, der Tag-Nacht-Rhythmus habe sich verändert. "Es geht darum, sie zu stabilisieren und an ein normales Leben heranzuführen. Viele haben Aufholbedarf", so Huemer. Die Arbeitsschritte bei "reStart" seien so aufgebaut, dass jede Person am Ende mit einem Erfolgserlebnis nach Hause geht. Die Produkte werden verkauft, der Erlös kommt den Jugendlichen durch neue Projekte zugute.
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies durch Sach- oder Geldspenden tun. "Wir brauchen immer Materialien, die man wiederverwerten kann", so Huemer. Geldspenden seien vor allem für psychosoziale Unterstützung wichtig, von der es mehr brauche, so der Leiter. "Ich wünsche mir einfach eine Chance für Jugendliche, die es bis jetzt im Leben nicht so leicht gehabt haben. Schaut man auf ihr Zeugnis, haben sie oft keine Chance. Aber wenn man ihnen wertschätzend begegnet, können sie ihr Potential entfalten."
Adnan und Julia sind "Erfolgsgeschichten", strahlt Huemer. Der 19-jährige ist auf dem besten Weg zu seinem Traumberuf als Mechatroniker. Julia besucht derzeit das Abendgymnasium – nach der Matura will sie Dolmetsch studieren. Einen Wunsch haben beide gemein: "Einfach ein ganz normales Leben führen."
Das Projekt "reStart" feiert am 25. Mai zehnjähriges Jubiläum. Ab 16 Uhr steigt in der Grundsteingasse 63 ein Straßenfest mit Tombola, Führungen und Fotobox. Mehr Infos auf www.caritas-wien.at