Wegen eines Schusswechsels zwischen der Polizei und Drogenhändlern haben am Dienstag in Rio de Janeiro Dutzende Touristen auf einem beliebten Aussichtspunkt auf einem Hügel festgesessen. Die Besucher wollten am Morro Dona Marta den Sonnenaufgang und den Ausblick auf die Stadt genießen, als im umliegenden Armenviertel plötzlich eine heftige Auseinandersetzung losging.
In sozialen Netzwerken geteilte Videos zeigen Touristen, die sich am Boden ducken, während im Hintergrund Schüsse fallen. "Es war eine Situation wie im Krieg", erzählt der 43-jährige Fotograf Ari Kaye aus Rio, der noch vor Tagesanbruch auf den Hügel gestiegen ist, der Nachrichtenagentur AFP. "Es wurde viel geschossen, es herrschte große Panik. Es waren etwa 60 Menschen vor Ort, und die Schießerei dauerte etwa 20 Minuten", fügt er hinzu.
Der 40-jährige Jan Plagge aus Deutschland sagte gegenüber AFP: "Ich wollte an einer Führung durch die Favela teilnehmen, aber mir wurde gesagt, dass heute ein großer Polizeieinsatz stattfindet." Die Polizei habe einige Kriminelle festgenommen, und er hoffe, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt.
In der Favela Morro Dona Marta geht die Polizei gegen die Drogenbande Comando Vermelho vor, die viele arme Viertel in Rio de Janeiro unter Kontrolle hat. Im Internet veröffentlichte Videos zeigen schwer bewaffnete Polizisten, die eine der Hauptstraßen des Viertels entlanglaufen.
Es ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass Touristen in Rio de Janeiro wegen eines Polizeieinsatzes feststecken. Bereits im April mussten mehr als 200 Besucher zwei Stunden lang auf einem weiteren berühmten Aussichtspunkt, dem Morro Dois Irmãos, ausharren.