Goran Djuricin war von April 2017 bis September 2018 Rapid-Trainer. Der 51-Jährige schaffte dabei in 67 Spielen einen Punkteschnitt von 1,73. Zum Vergleich: Der aktuelle Coach der Grün-Weißen, der Däne Johannes Hoff Thorup, hält bei 1,27. Vorgänger Peter Stöger kam auf 1,70 Zähler. Djuricin weiß, was in Hütteldorf schief läuft, rechnet jetzt im Interview mit 90minuten.at mit den Verantwortlichen ab.
Der Ex-Coach prangert erstens die fehlende Spielphilosophie in Hütteldorf an, vermisst eine Weiterentwicklung seit seiner Zeit.
"Sie holen jetzt teure Einzelspieler, weil sie mehr Geld haben. Aber ihre Spiel- und Transferphilosophie hat sich nicht weiterentwickelt. Was wurde unter Büskens gespielt? Offensive. Dann kam Canadi, der hat defensiver attackiert. Ich wollte immer attackieren und Ballbesitz haben, weil ich dachte, dass das zu Rapid gehört. Aufgetragen hat mir das niemand. Kühbauer hat danach tiefer attackieren lassen. Thorup will überhaupt schnell umschalten und gleichzeitig im Ballbesitz sein. Ich erkenne da keine Philosophie", prangert Djuricin an.
Dann gewährt der Insider einen Blick ins Innenleben des Klubs. "Rapid ist ein Haifischbecken", sagt er. In diesem Becken ist das Arbeiten so schwierig, weil es so viele Gruppierungen gibt. Akzeptiert wurden nur Stars wie Kühbauer, Barisic oder auch Stöger. Die anderen Trainer nicht. Um diese traditionellen Strukturen aufzubrechen, muss man die Haifische zahmer machen."
Auf die Frage, wer die Haifische seien, meint Djuricin: "Ich sage dazu nur eines: Wenn du im Spielertunnel bist, ist der Gang ins Stadion nicht motivierend, sondern erdrückend. Der Verein muss sich Gedanken machen, wie das zu ändern ist. Mit den Fans hatte ich keine Probleme. In der organisierten Szene gibt es viel Respekt. Stress machen eher die, die weniger zu sagen haben. Anders als bei den Bayern gibt es aber auch keinen Chef, der für alles die Gesamtverantwortung trägt. Alle schieben die Verantwortung herum. Das ist schwachsinnig."