"Schwarz in Wien" zeigt, wie rassistisch Wiener sind

Dass es die Doku "Schwarz in Wien" gibt, erfuhren die meisten erst als sie aus den Hauptabendprogramm gestrichen wurde. Am Sonntag lief sie im NachmittagsTV.
Aus "Österreichbild" wurde "Schwarz in Wien" gestrichen, weil sie dort laut Sendungsverantwortlichen nicht hingepasst habe. Stattdessen wurde ein Beitrag über Heurige in Wien ausgestrahlt. In "Heimat fremde Heimat", wo sie ausgestrahlt wurde, passte sie jedoch auch nicht.

"Das Exotischste an mir ist der Dialekt, weil ich vom oberösterreichischen Land bin"

Genau das brachte Tori Reichel, bis vor kurzem Journalist beim Vice Magazin international in die Medien. Über seinen offenen Brief an die Uni berichtete selbst der deutsche "Spiegel". Reichel wurde ungewollt zum "internationalen" Aushängeschild der Uni Wien. Ein Foto mit ihm und zwei blonden Mitstudentinnen auf den Stufen vor dem Publizistikgebäude prangte groß auf der Homepage. "Ich habe versucht zu erklären, dass ich nicht besonders international bin. Das Exotischste an mir ist der Dialekt, weil ich vom oberösterreichischen Land bin. Ansonsten fühl' ich mich nicht besonders exotisch oder international." Es werde einem schwer gemacht in Österreich, sich zugehörig zu fühlen.

Scheiße an der Tür - und keine Änderung in fast 50 Jahren

Unter Rassismus leidet Sissi Kamper, kaufmännische Angestellte aus Atzgersdorf und 48 schon ihr ganzes Leben. Die Enkeltochter eines amerikanischen GIs und eine Wienerin erzählt, dass ihre Türe im Gemeindebau mit Scheiße beschmiert wurde. "Das waren meine ersten Erfahrungswerte." Wenn ihr jemand, wenn sie mit ihrem Kind im Kinderwagen fährt, nachschreit "Schleich di ham in Urwald", denkt sie "Jössas, i zahl a Miete." Verbessert hat sich die Situation in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht. "Na", es habe sich nichts geändert.

CommentCreated with Sketch.16 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Politik finde keine Antworten

Kamper glaubt, dass es daran liegt, dass die die Politik keine Antworten findet. "Und i glaub nicht, dass sich des ändern wird." Nach wie vor werde sie "alle 3 Wochen" angepöbelt.

"Mohr im Hemd" vs. Schokokuchen

Vanessa Spanbauer, Chefredakteurin des "Fresh Magazin" macht auch den Alltasrassismus dafür verantwortlich. Sie esse gerne Schokokuchen, aber erst einige Lokale seien draufgekommen, dass man den nicht mehr "Mohr im Hemd" nennen müsse. Als Kind habe sie selbst nicht dran gedacht, was das bedeutet. Beim Erwachsenwerden habe sich das für sie geändert.

"Wiener Schmäh" als Gegner

Pädagoge und Jugendgruppenbetreuer Persy-Lowis Bulayumi zeigt auf, dass man sich gegen Mobbing schwer wehren kann. "Der 'Wiener Schmäh' verlangt von uns, dass wir drüber stehen." Jugendgruppenleiterin Sade Stöger beklagt, dass den Leuten gar nicht bewusst ist, wie normal rassistisches Verhalten ist. Wenn Schwarze auf englisch angesprochen werden, "weil 'so einer kann kein Deutsch'" (Anm: Der damalige Landeshauptmann von Tirol, Günther Platter sprach David Alaba auf englisch an).

Beleidigende "Sex-Komplimente"

Rassistische Äußerungen werden von den Leuten, die sie aussprechen oft gar nicht erkannt. "Ich hab noch nie mit einer Schwarzen geschlafen", sei durchaus als Kompliment gemeint. "Aber es ist erabwürdigend", so Sade Stöger. "Es ist wie ein Fetisch. Diese Sorte möchte ich auch ausprobieren"

Das Problem kennt Persy-Lowis Bulayumi auch. Das Klischee über schwarze Männer führe dazu, dass er auf dem Herrenpissoir oder in der gemischten Sauna Aufmerksamkeit bekomme, die er gar nicht wolle. Deshalb würde er solche Orte bewusst meiden.

"Schirche Sachen" mit der Polizei

Auch mit der Polizei sei das Zusammenleben nicht immer leicht. "Österreich hat Geschichte von Polizeigewalt gegen Afrikaner." Fast jeder von Tori Reichels Freunde habe "schirche Sachen" mit der Polizei erlebt und eine Geschichte auf Lager.

Welle des Hasses bei Antritt von politischem Amt

Mireille Ngosso, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin in der Inneren Stadt begann sich politisch bei der SPÖ zu engagieren, weil sie "nicht mehr raunzen" wollte. Dass sie so weit kommt hätte sie sich nicht gedacht. Als sie in ihren Posten aufstieg, sei ihr eine Welle des Hasses entgegen geschlagen. "Rassismus ist salonfähig gemacht worden", diagnostiziert die studierte Medizinerin.

"Schwarz in Wien: Von Soliman bis Alaba" lieft am Sonntag um 13.30 Uhr im ORF 2 im Rahmen von "Heimat fremde Heimat Spezial". (lam)



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