Die NATO-Staaten sehen die Bedrohung durch Russland zunehmend als ernst an. Schweden hat nun eine neue Strategie für seine Luftwaffe vorgestellt.
Wie Oberst Carl Bergqvist, Leiter des schwedischen Zentrums für Luftkriegsführung, der Zeitung 'Aftonbladet' erläutert, bereiten sich die schwedischen Streitkräfte darauf vor, im Ernstfall auch Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen.
„Ein Angriff muss teuer werden“, betonte Bergqvist gegenüber dem Blatt. Die neue Strategie zielt nicht auf Präventivschläge ab, sondern soll abschrecken. Ein möglicher Angreifer müsse wissen, dass ein Konflikt nicht auf schwedisches Gebiet begrenzt bleiben würde.
Wie t-online berichtet, markiert diese Strategie einen deutlichen Wandel in Schwedens Verteidigungsplanung.
Schweden trat nach der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2024 der NATO bei und beendete damit mehr als 200 Jahre militärischer Bündnisfreiheit. Das Land ist nun gemeinsam mit Finnland, Norwegen und den baltischen Staaten Teil der Verteidigungsstruktur an der Nordflanke des Bündnisses.
Ein zentrales Element der neuen Strategie ist die mögliche Integration von Marschflugkörpern des Typs Taurus in die schwedischen JAS 39 Gripen-Kampfjets. Diese Waffen erreichen über 500 Kilometer und können stark geschützte Ziele wie Bunker oder Kommandozentralen treffen.
Darüber hinaus planen die schwedischen Streitkräfte laut Unterlagen auch die Beschaffung von Systemen mit noch größerer Reichweite, etwa Marschflugkörpern und ballistischen Raketen mit bis zu 2.000 Kilometern Reichweite. Die Entfernung zwischen Stockholm und Moskau beträgt etwa 1.200 Kilometer.
Als Grund für diese Neuausrichtung nennt Bergqvist die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine. Es habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, dem Gegner keine Luftüberlegenheit zu gewähren. Angriffe auf gegnerische Logistik, Hauptquartiere und Luftwaffenstützpunkte könnten eine feindliche Operation bereits früh stören oder verlangsamen.
Neben möglichen Langstreckenangriffen setzt Schweden weiter auf die schnelle Verlegung und Verteilung seiner Kampfflugzeuge. Gripen-Jets sollen im Krisenfall auch von vorbereiteten Straßenabschnitten und Autobahnen operieren können, um die Luftwaffe weniger angreifbar zu machen. Ergänzt werden soll das Konzept durch eine stärkere Luftverteidigung, bessere Drohnenabwehr und den Ausbau der Aufklärung, etwa durch unbemannte Systeme und Satelliten.
Schwedische Sicherheitsbehörden warnen seit einiger Zeit vor einer veränderten Bedrohungslage in Nordeuropa. Nach Einschätzung des Nachrichtendienstes in Stockholm könnte Russland in den kommenden Jahren zu begrenzten militärischen Operationen in der Region fähig sein.
Schwedens Lage an der Ostsee gilt sowohl als Risiko als auch als strategischer Vorteil: Das Land kann schnell auf Entwicklungen im Baltikum reagieren, muss aber auch mit direkten Bedrohungen rechnen.