Schwedens Corona-Stratege gesteht Fehler ein

Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell gibt Fehler in seinem Corona-Krisenmanagement zu
Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell gibt Fehler in seinem Corona-Krisenmanagement zupicturedesk.com/AFP/Jonathan Nackstrand
Der Top-Epidemiologe Anders Tegnell hat zugegeben, dass die Art und Weise, wie mit der Pandemie in Schweden umgegangen wurde, zu viele Todesopfer gefordert hat.

Überzeugt hatte Anders Tegnell die umstrittene Pandemie-Strategie von Schweden verteidigt. Das Land hatte auf einen gänzlichen Lockdown verzichtet und an die Eigenverantwortung der Bürger appelliert. Man solle sich die Hände waschen und genug Abstand halten.

Nachhaltige Reaktionen gefordert

Heute gibt der Epidemiologe in einem Interview mit Swedish Radio zu, dass eben diese Strategie zu vielen Menschen das Leben gekostet hat. "Wenn wir mit dem gleichen Wissen wie heute mit derselben Krankheit konfrontiert wären, würde unsere Antwort wahrscheinlich irgendwo zwischen dem liegen, was wir getan haben, und was der Rest der Welt getan hat", so Tegnell auf die Frage, was denn die richtige Herangehensweise gewesen wäre. "Man hätte sicher mehr tun müssen, um das Virus einzudämmen."

Tegnell ist federführend bei dem umstrittenen Ansatz zur Bekämpfung des Virus. Bis jetzt argumentierte er, dass die resistente Natur des Virus eine nachhaltigere Reaktion erfordert als ein plötzlicher und totaler Lockdown. Trotz Kritik aus dem Ausland fand Tegnells Strategie in Schweden breite Unterstützung.

Jetzt, wo aber viele EU-Länder ihre Grenzen wieder öffnen und Maßnahmen gelockert werden, scheint es, dass Schweden auf der Strecke bleibt. Das schließt auch die Freizügigkeit der Bürger mit ein, da einige EU-Länder den Zugang für Reisende einschränken, die aus Gebieten mit hohem Krankheitsrisiko kommen.

Schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg

Beweise dafür, dass Schwedens Wirtschaft mit dem Verzicht auf einen Lockdown massgebend geschont wurde, gibt es nicht, wie «Bloomberg» schreibt. Finanzministerin Magdalena Andersson warnte kürzlich, dass Schweden mit seiner schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert sei. Das BIP werde 2020 um 7 Prozent sinken, was ungefähr den Zahlen der restlichen EU entspricht.

Angesichts der neuen Erkenntnisse scheint sich das Blatt nun zu wenden. Regierungschef Stefan Löfven will in den kommenden Wochen wahrscheinlich eine Kommission einberufen, die das Vorgehen Schwedens im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus bewerten soll. Dabei gehe es darum, Erfolge, aber auch Fehler zu finden. Die Opposition hatte eine solche Kommission gefordert.

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