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Schweiz kalkuliert Terror mit radiologischer Waffe

Ein radiologischer Terroranschlag hätte horrende Auswirkungen. Die Schweiz hat die ersten Vorbereitungen getroffen.
Heute Redaktion
13.09.2021, 23:41

Es ist 17.30 Uhr an einem Freitagnachmittag. Vor dem Hauptbahnhof einer Schweizer Großstadt explodiert im Rucksack eines Terroristen eine Bombe. Sie enthält neben fünf Kilogramm Sprengstoff 10 Terabecquerel Cäsium-137. 30 Menschen verlieren ihr Leben. Unter den Hunderten Verletzten sind 55 Personen schwer, 100 mittelschwer sowie Tausend leicht verletzt.

Ein Horrorszenario, das zum Glück noch nie Wirklichkeit wurde. Weder in der Schweiz noch auf der ganzen Welt. Es handelt sich um ein hypothetisches Szenario aus dem Labor Spiez des schweizerischen Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs), über das die "NZZ" berichtete.

Das sich ausbreitende radiologische Cäsium 137 ist eine sogenannte schmutzige Waffe, eine "Dirty Bomb", eine Massenvernichtungswaffe. Die strahlende Substanz verbreitet sich in der Luft und kann so in die Atemwege gelangen. Doch für die im hypothetischen Szenario ausgerückten Rettungskräfte sollte dies unproblematisch sein, so Mario Burger, Chef Fachbereich Physik am Labor Spiez zur "NZZ". "Wenn sie ihre Kleider wechseln, sollten 95 Prozent der Strahlenbelastung verschwunden sein. Wenn man danach noch gründlich duscht, sollte in dieser Hinsicht alles okay sein", führt Burger aus.

Verstrahlte Umgebung, demonstrierende Bürger

Doch der massive wirtschaftliche Schaden fängt erst nach den ersten Rettungsmaßnahmen an. Alle Gebäude und Straßen, die sich zwei bis sechs Kilometer in Windrichtung der Explosion befinden, müssen dekontaminiert werden. Anwohner in der direkten Umgebung müssen evakuiert werden. Die Abteilungen der Krankenhäuser, die mit den Opfern in Kontakt gekommen sind, müssen saniert werden. Im Risikoszenario inbegriffen ist der Wertverlust der umliegenden Liegenschaften, der Umsatzrückgang des Tourismus sowie Demonstrationen der von den Behörden enttäuschten Bürger.

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Radiologische Waffen

Sie werden auch schmutzige Bombe ("dirty bomb") genannt. Radiologische Waffen bestehen aus einem konventionellen Sprengsatz, der bei der Explosion radioaktives Material verteilt. Es findet jedoch keine Kernspaltung oder Kernfusion statt.

Die Wirkungen der Bombe sind Opfer durch die Druck- oder Splitterwirkung bei der Explosion, die Kontamination von weiter entfernten Personen, langfristige Strahlenschäden, Massenpanik und wirtschaftlicher Schaden.

"Das verheerende Potenzial einer radiologischen Bombe liegt nicht in ihrer direkten Zerstörungswirkung, sondern in den wirtschaftlichen Schäden. Dazu kommt die psychologische Wirkung auf die Bevölkerung, die das Vertrauen in die Behörden verliert", erklärt Burger weiter. Die direkten Schäden eines radiologischen Angriffs berechnet das Babs auf 4,5 Milliarden Euro. Die Beeinträchtigung der Wirtschaft beläuft sich hingegen auf sieben Milliarden Euro. Das Szenario würde also Schäden von rund 11,5 Milliarden Euro verursachen.

Im Gegensatz zu anderem radioaktiven Material wie Uran oder Plutonium kommen Cäsium-137 und Kobalt-60 regulär in technischem und medizinischem Material vor. Die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA hat 2006 30 Fälle von unbefugtem Besitz vermeldet, 2016 waren es noch acht. Doch erst vor kurzem stieß man in einem Nachbarland in einem Auto auf Cäsium-137. Die Schweiz hat erste Vorkehrungen getroffen, die Sicherheit an den Grenzen in Hinblick auf diese Gefahr anzupassen. Dabei sind Detektoren für die Zollstationen sowie Aufstockung der nötigen Einsatzmittel für den Ernstfall. (sep)

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