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Polizist wird geblitzt und kritisiert die Geldmacherei

Heute Redaktion
13.09.2021, 19:06

Im Linthgebiet (Schweiz) wurden seit Anfang 2018 fast die Hälfte aller regionalen Bussen erhoben. Darüber ärgert sich sogar ein Kantonspolizist. Er findet Blitzer reine Geldmacherei.

Dass Autofahrer oft glauben, Blitzer seien reine Abzocke, ist nichts Neues. Nun äußerst sich aber sogar ein Polizist der Kantonspolizei St. Gallen in der Schweiz zum Thema und spart nicht mit Kritik.

Grund ist die Blitzer-Offensive der Kantonspolizei im Linthgebiet. Seit Anfang Jahr wurden über 30.000 Autofahrer geblitzt. Das brachte der Polizei über 2 Millionen Euro ein. Auf den ganzen Kanton St. Gallen gesehen, macht das 47 Prozent aller Busseneinnahmen.

Mitte Oktober hatte bereits ein Anwohner moniert, dass die semistationären Geschwindigkeitsanlagen überdurchschnittlich oft in der Gemeinde Eschenbach stehen, teilweise sogar zwei gleichzeitig. Nun gerät auch eine Anlage in Schmerikon in den Fokus. Sie blitzt in beide Richtungen, stand 48 Tage auf der Zürcherstraße und brachte 785'700 Franken ein, wie das Online-Portal Linth24 berichtet.

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In einem Schreiben wandte sich deshalb der Kantonspolizist an das Portal. Darin heißt es: "Auch mich hat es, mit meinem 6-jährigen Sohn, genau bei diesem Blitzer in Schmerikon erwischt. Ich war mit keinerlei Raser-Gedanken unterwegs, sondern habe mir vielmehr überlegt, ob ich alles dabei habe fürs Baden am See. Tja, man denkt, die Strecke zu kennen, und weiß, dass es an dieser Stelle ausgangs Schmerikon 80 km/h wird, und beschleunigt einen Tick zu früh. Und schon blitzt es und man ist ein Halbkrimineller."

Er habe sich derart darüber geärgert, dass er beinahe einen Brief an den Kanton geschickt hätte. Tat er aber nicht, weil er bei der Polizei arbeite und Nachteile fürchtet. Es gebe zwar gerechtfertigte Geschwindigkeitskontrollen, häufig seien es aber reine Geldeinnahmequellen.

Nicht begriffen, worum es geht

Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, wundert sich über diese Aussagen. Es sei schade, dass jemand aus den eigenen Reihen sich so äussere. "Offenbar hat er einfach nicht begriffen, worum es uns geht", so Schneider.

Grundsätzlich habe die Kantonspolizei mehrere Kriterien, nach denen die Standorte für Radaranlagen bestimmt werden. Oberstes Ziel sei immer die Verkehrssicherheit. "Teilweise kommen Anfragen aus der Bevölkerung. Aber auch die Erfahrung aus mobilen Messungen spielt eine Rolle." Wenn etwa die Übertretungsrate an einem Ort hoch ist, wird dort auch ein Blitzer hingestellt. Wenn sich diese Rate auf ein vertretbares Niveau einpendle, kommt der Blitzer auch wieder weg. "Das ist auch der Grund, warum die Anlage in Schmerikon so lange dort stand", sagt Schneider.

Wann zahlt Polizei die Busse selbst?

Der Polizist muss die Busse in vorliegendem Fall natürlich selbst bezahlen. Schließlich war er privat unterwegs. "Wenn die Polizei in einem Einsatz ist, egal in welchem Fahrzeug, und die Warnsignale eingeschaltet hat, ist sie berechtigt, die Geschwindigkeitsbegrenzung zu missachten", so Schneider. Werde man dann geblitzt, müsse man die Busse nicht bezahlen. Vorausgesetzt, man könne den Einsatz und die Verhältnismäßigkeit genau belegen. Das gelte theoretisch auch, wenn Einsatzfahrzeuge aus ermittlungstaktischen Gründen keine Sondersignale eingeschaltet haben. (taw)