Schwerer Vorwurf: Foda nur "Marionette" der Spieler?

Teamchef Franco Foda jubelte nach dem Achtelfinaleinzug ausgelassen.
Teamchef Franco Foda jubelte nach dem Achtelfinaleinzug ausgelassen.picturedesk.com
Teamchef Franco Foda wird für die EM-Auftritte Österreichs gelobt. Ein Bericht legt nun nahe, dass er im Hintergrund von Spielern entmachtet wurde.

Am Samstag brach Italien den aufopfernd kämpfenden ÖFB-Stars in der Verlängerung das Herz. Der Favorit war ins Wanken geraten, setzte sich doch noch mit 2:1 durch und ließ Österreichs Traum vom Viertelfinale platzen.

Die unterlegenen ÖFB-Kicker und ihr Teamchef ernteten für ihre Leistung vor dem bitteren Aus Lob. Italiens Stars und Trainer Roberto Mancini erwiesen dem Gegner, der sie nach einer dominanten Gruppenphase beinahe gestürzt hätte, viel Respekt. Foda, hierzulande im Vorfeld der EURO häufig kritisiert, wurde in italienischen Medien sogar als Taktikfuchs bezeichnet.

Auch in Österreich sind seine Kritiker verstummt oder zumindest leiser geworden. Den Vorwurf, zu vorsichtig und defensiv spielen zu lassen, konnte der Teamchef mit den offensiven Auftritten gegen die Ukraine (1:0) und Italien vorerst entkräften.

Und doch scheint der verbesserte Ruf nur wenige Tage nach dem EM-Aus wieder zu bröckeln. Hintergrund dafür ist ein Bericht des Magazins "profil, der aufdecken soll, dass Führungsspieler Foda die Taktik diktiert und den weiteren Turnierverlauf damit maßgeblich beeinflusst hätten. 

Spieler für Kurswechsel verantwortlich?

In der Vorbereitung agierte das ÖFB-Team ideenlos, kam in den beiden Tests gegen England (0:1) und die Slowakei (0:0) zu keinem Torerfolg. Der EM-Auftakt gegen Nordmazedonien (3:1) glückte dank zweier später Treffer der eingewechselten Stürmer Michael Gregoritsch und Marko Arnautovic. Das zweite Gruppenspiel gegen die Niederlande ging mit 0:2 verloren. Die Ideenlosigkeit im Angriff war zurück. Die Oranje ließen große Chancen auf einen noch viel höheren Sieg aus.

Für viele Fans und auch Experten war es erstaunlich zu beobachten, dass der als konservativ geltende Foda in Folge dessen von einer Fünfer- auf eine Viererkette in der Abwehr umbaute, Real-Star David Alaba linkshinten aufbot und gegen die Ukraine und Italien phasenweise mit einer hohen Pressinglinie und viel Offensivgeist agieren ließ. Das schien so gar nicht zum bisherigen Bild über die ÖFB-Spielweise unter Foda zu passen.

Das "profil" will wissen, dass sich Führungsspieler gegen das Defensiv-Korsett gewehrt hätten. Brisant: Hätte das ÖFB-Team das Achtelfinale verpasst, hätte sich der Verband demnach von Foda getrennt.

Foda "Marionette der Spieler"

Das Magazin über die Macht der Spieler: "Foda präsentiert einen Vorschlag zur taktischen Ausrichtung. Die Spieler nicken diesen dann ab oder erklären ihre Vorstellungen." Seit Monaten sei es zu "heftigen Debatten" gekommen, der Teamchef so zur "Marionette der Spieler" verkommen. Harte Anschuldigungen, auf die der ÖFB und der Teamchef bisher noch nicht reagiert haben.

Diese Punkte werden durch die Aussage eines anonym zitierten ÖFB-Teamspielers gestützt. Dieser soll nach dem Ukraine-Spiel gesagt haben: "Wenigstens hat er uns dieses Mal nicht gebremst."

Von den Vorgängen im Team sei auch die ÖFB-Spitze bis hin zu ihrem Präsidenten Leo Windtner informiert gewesen. Ein Spieler und mehrere Betreuer hätten sich beim Verbandsboss beschwert. Die Vorwürfe: die übervorsichtige Spielweise und vor Kommunikation durch Foda, durch die der Teamgeist verloren gehe.

Windtner habe im Vorfeld des Turniers sogar mit einem Teambuilding-Seminar interveniert, um einen endgültigen Bruch zwischen Trainer und Team vor dem Großevent zu verhindern. In einem Thermen-Hotel seien der Teamchef und seine Mitarbeiter in einem Seminar von einem ehemaligen FC-Bayern-Pressesprecher über die Führungsqualitäten von Trainer-Ikone Ottmar Hitzfeld belehrt worden. Foda hätte daraufhin in der Vorbereitung tatsächlich ungewohnt penibel auf einen guten Teamgeist geachtet.

Trotz starker EM-Auftritte scheint es hinter den Kulissen Klärungsbedarf zu geben. Denn: Schon im September wird es für das ÖFB-Team in der WM-Qualifikation wieder ernst. Nach der 0:4-Niederlage gegen Dänemark und dem Remis gegen Schottland kann sich Österreich auf dem Weg zur Endrunde in Katar (ab November 2022) keine Ausrutscher mehr erlauben.

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