Date wollte Geld für Sohn, Frau stellt Betrüger bloß

Mit seinem angeblich todkranken Sohn wollte ein Belgier einer Salzburger Geld abknöpfen. Die Frau entlarvte den Internet-Betrüger und will nun andere warnen.
42 Jahre, 1,88 Meter groß, grau meliertes Haar, blaue Augen, freundliches Lächeln – über eine Online-Partnerbörse lernte die Salzburgerin Angelika K. (Name von der Redaktion geändert) ihren "Traummann" Philip R. kennen. Der Belgier stellte sich als Witwer und Vater von entzückenden Zwillingen vor, der in Frankreich lebt. Schnell wurden Telefonnummern ausgetauscht. Binnen kürzester Zeit war die 32-Jährige sein "Liebling" und "Schatz".

Das erste Mal misstrauisch wurde Angelika K., als R. nicht näher auf seine verstorbene Frau eingehen wollte. "Er blockte total ab", berichtet die Salzburgerin. Stattdessen überschüttete der Belgier mithilfe eines Übersetzungsprogramms die junge Frau mit Komplimenten und Liebesschwüren in Deutsch: "Sie haben alles, was ein Mann will, die Schönheit und das reine Herz" oder "Ich würde alles geben, was du brauchst, und du wirst dir keine Sorgen um die Arbeit machen, weil ich dir einen Job für dich geben würde(sic!)".

Salzburgerin spielte das Spiel mit

Nach unzähligen Nachrichten, kündigte der Belgier an, die Salzburgerin besuchen kommen zu wollen. Angelika K. konnte ihr Glück nicht fassen. Misstrauisch wie sie aber mittlerweile war, schrieb sie das Hotel an. "Ich bekam zwar keine deutliche Auskunft. Aber ich konnte zwischen den Zeilen herauslesen, dass er nicht gebucht hatte", erzählt K. Die Salzburgerin erkannte mittlerweile, dass der vermeintliche Traummann ein Betrüger war. Aus Neugier spielte K. das Spiel aber weiter. Wollte wissen, wie weit Philip R. gehen würde.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. 1.000 Euro für schwer krankes Kind

"Eines Tages schrieb er mir, dass er spontan in Afrika einen Auftrag bekommen hätte und sofort mit seinen Kindern in den Flieger steigen müsse", berichtet K. weiter. In Afrika angekommen – zumindest virtuell – meldete sich der charmante Belgier mit einer alarmierenden Nachricht "Schatz, ich bin gerade in einer sehr schwierige Situation". Sein Sohn D. sei schwer erkrankt. Bedauerlicherweise würde seine Bankkarte aber nicht funktionieren und er bräuchte dringend 1.000 Euro. Andernfalls würde sein Sohn den Kontinent nicht mehr lebend verlassen. Zusätzlich versendete der Mann auch ein Video – zu sehen ein Kind, das an einer Beatmungsmaschine hängt. "Liebling, bitte rette meinen Sohn in diesem afrikanischen Krankenhaus", fleht der Belgier die Österreicherin an. "Nur sah das Kind ganz anders aus, als auf den Fotos, die er mir vorher geschickt hat", so Angelika K.



"Partnerbörsen mit Vorsicht genießen"

Als der dreiste Belgier der Salzburgerin dann auch noch frech seine Kontodaten schickte, zog die 32-Jährige die Reißleine. Angelika K. will nun alle Single-Frauen warnen. Denn nie hätte die selbstbewusste Angestellte gedacht, selbst einmal Opfer eines Betrügers zu werden. Ihr Appell: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Partnerbörsen sollten wir mit Vorsicht genießen."

BKA warnt vor "Love-Scam"

Auch das Bundeskriminalamt warnt vor dieser Art des Internetbetrugs. Beim sogenannten "Love-Scam" suchen sich Täter ihre Opfer auf Partnervermittlungsbörsen oder in Sozialen Medien aus. Die Täter täuschen oftmals vor Soldaten, Ingenieure oder auch Biologen zu sein, die in einem anderen Land arbeiten und daher nur über das Internet kommunizieren können.

Tipps der Kriminalprävention:

■ Internetbeziehungen sind natürlich grundsätzlich möglich, wenn dein Gegenüber jedoch Geld von dir fordert, solltest du Vorsicht walten lassen.

■ Überweise kein Geld, auch wenn ein tragischer Notfall behauptet wird.

■ Achte auf den Schutz deiner Daten und sei vorsichtig, wenn du Details zu deiner Person bekannt gibst.

■ Prüfen die Privatsphäreneinstellungen auf deinen Onlineprofilen.

■ Hinterfrage, ob deine Internetbekanntschaft wirklich ähnliche Interessen hat, oder vielleicht dein Onlineprofil ausspioniert haben könnte.

■ Übermittel keine Fotos oder Videos von dir selbst. Falls unangenehme Bilder und Videos veröffentlicht wurden, hilft der Ombudsmann https://ombudsmann.at/ bei der Löschung dieser.

■ Decke deine Webcam ab, solange du deinem Gegenüber nicht vertraust. Denke daran, dass alles was du vor der Webcam machst, vom Gegenüber aufgezeichnet werden kann.

■ Oftmals hilft es eine Vertrauensperson einzuweihen, diese öffnet die Augen und hält dich von Schaden ab.

■ Lass dich nicht unter Druck setzten. Wenn das Gegenüber etwas vehement fordert oder emotionalen Druck ausübt, ist höchste Vorsicht geboten.

■ Wenn du überwiesen, oder mit Kreditkarte bezahlt hast, wende dich rasch an deine Bank, eventuell kann man noch Gelder rückbuchen oder Zahlungen stornieren.

■ Zeige den Sachverhalt bei der Polizei an, es gibt viele Betroffene. Wichtig ist, dass du die Unterhaltungen oder Chatverläufe und die Zahlungsunterlagen mitnimmst.

Weitere Informationen erhaltest du auf der Homepage der Kriminalprävention des Bundeskriminalamtes und unter der Telefonnummer 059 133-0.



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