Scientology-Schiff wegen Masern unter Quarantäne

Rund 300 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes sind in der Karibik unter Quarantäne gestellt worden, nachdem ein Urlauber an Masern erkrankt ist.

Auf der karibischen Insel Saint Lucia wurde ein Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne gestellt. Der Grund: ein weibliches Besatzungsmitglied sei an Masern erkrankt. Das teilte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde mit.

Chefärztin Marlene Fredericks-James erklärte in einer Videobotschaft, dass die Behörden am Dienstagmorgen von einem Masernfall auf dem Schiff erfahren hatten. In Absprache mit anderen regionalen Gesundheitsbehörden habe man den Entschluss gefasst, den Kreuzfahrtdampfer unter Quarantäne zu stellen, um einer weiteren Verbreitung der Krankheit vorzubeugen.

"Wegen des Risikos einer möglichen Ansteckung haben wir uns entschieden, niemanden zu erlauben, von Bord zu gehen", so Frederick-James laut "Washington Post".

Masern:
Erreger: Masernvirus (MeV)
Ansteckung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: 8 bis 10 Tage
Symptome: Roter, fleckiger Hautausschlag
Diagnose: Klinisches Bild, Antikörpernachweis
Behandlung: hustenlösende & fiebersenkende Medikamente
Immunität: Nach vorhergehende Infektion lebenslang
Vorbeugung: Impfung

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Scientologen an Bord

Bei dem Schiff, das sich im Hafen der Insel St. Lucia befindet, soll es sich um die "Freewinds" handeln – ein US-Schiff, das der Sekte Scientology gehört. Viele Mitglieder der strittigen Gruppe sind bekennende Impfgegner, zumindest berichten Aussteiger immer wieder von einer verbreiteten medizinkritischen Haltung der Scientologen.

In den USA ist die Zahl der Masern-Erkrankungen aktuell auf dem höchsten Stand, seit die Krankheit im Jahr 2000 dort für besiegt erklärt wurde. Vor kurzem hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC Rekordzahl von Masern-Fällen gemeldet, nämlich 704 Krankheitsfälle landesweit.

Angesichts der besorgniserregenden Ausbreitung von Masern hatte US-Präsident Donald Trump Eltern zur Impfung ihrer Kinder aufgerufen: "Diese Impfungen sind so wichtig." In der Vergangenheit hatte sich Trump skeptisch zu dem Thema geäußert. Im Jahr 2014 hatte er einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus bei Kindern hergestellt – ein bei Impfgegnern verbreiteter Irrglaube.

Masern-Viren kann man sich über Speicheltröpfchen in der Luft einfangen. Einige Tage danach breitet sich ein Ausschlag über den ganzen Körper aus. Etwa jeder zehnte Patient hat Komplikationen, beispielsweise Mittelohr- oder Lungenentzündungen. Je älter der Infizierte ist, desto gefährlicher wird die Krankheit. Selten kommt es auch zu Gehirnentzündungen, die tödlich enden können.

Auch im New Yorker Stadtteil Williamsburg ist die Zahl der Masern-Erkrankungen seit September letzten Jahres enorm gestiegen, weswegen der Bürgermeister Bill de Blasio Maßnahmen angekündigt hatte.

Zwei Universitäten in Los Angeles haben darüber hinaus Masern-Quarantäne ausgerufen. Hunderte Studenten wurden unter Quarantäne gesetzt und mussten einen Impf-Nachweis erbringen.

(ek)

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