Segelfahrt-Testerin: "Der coolste Job der Welt"

Wie bekommt man den "coolsten Job der Welt"? Segelfahrt-Testerin Alyzée Joy Montana verrät es und erzählt von ihren Erlebnissen auf hoher See.

Alyzée Joy Montana (27) testet Segelfahrten. Die in der Karibik aufgewachsene Französin hat sich vor drei Jahren für den "coolsten Job der Welt" beworben. Im Interview verrät sie, wie sie ihn ergattert hat und ob die Beschreibung zutrifft.

Alyzée, wie genau sieht dein Job aus?

Ich gehe auf Segelfahrten rund um die Welt. Seit einem Jahr teste ich solche Fahrten für die Mitsegelbörse Sailsquare. Ich liefere dann Bilder, Videos und Artikel.

Also einfach Werbematerial?

Es ist nicht nur Werbung. Die Idee ist, dass die Aufnahmen von echten Reisen stammen. Ich habe das Schiff nicht für mich allein, sondern reise mit anderen Menschen, die den Trip gebucht haben. Wir erleben genau das gleiche Abenteuer.

Wie läuft das ab?

Die Firma ruft an und sagt: "Morgen gehts auf eine Reise." Dann packe ich und breche auf. Das kann sehr kurzfristig sein.

Wie hast du den Job bekommen?

Mit einer speziellen Bewerbung: Als der Job ausgeschrieben war, lebte ich in der Karibik und ging an den Strand. Dort bat ich Touristen, mit mir den Satz "stellt mich an, Sailsquare" mit ihren Badetüchern und Körpern zu formen.

So sah die Bewerbung von Alyzée aus. (Video: Sailsquare)

Wie hast du Fremde dazu gebracht, bei deiner Bewerbung mitzumachen?

Ich bin auf sie zugegangen und habe ihnen erklärt, dass ich den coolsten Job der Welt will. Die Leute freuten sich, mitzumachen. Ich war überrascht.

Und dann?

Dann schickte ich der Firma ein Luftbild und ein Video davon als Bewerbungsschreiben. Mehrere Monate hörte ich nichts. Auf der Website fand ich den Slogan "Zu Hause ist, wo der Anker fällt", also schickte ich der Firma einen Anker per Post als Erinnerung. Eine Woche später wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Und, ist es wirklich "der coolste Job der Welt"?

Ja, ich habe den coolsten Job der Welt. Aber für jemanden, der seekrank wird, wäre er natürlich nichts. Und man muss bereit sein, 85 Prozent seines Lebens dem Job zu widmen. Es braucht eine gute Organisation, um Privatleben und meinen Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Wird das auf Dauer nicht zu viel?

Für mich ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für so einen Job. Ich bin noch keine 30 und habe keine bindenden Verpflichtungen.

Was gefällt dir nicht?

Es ist bereits passiert, dass mein Gepäck verloren ging. Wenn man von Norwegen in den Seychellen ankommt und nur Winterkleider dabei hat, ist das natürlich unangenehm. Aber wenn ich mir bewusst mache, was mein Beruf ist, stören mich solche Kleinigkeiten nicht.

Was hat dich am Job überrascht?

All die Kontakte, die man an Bord knüpft. Am Ende einer Woche fühlt man sich, als würde man die Leute seit Jahren kennen. Jetzt habe ich rund um die Welt Freunde, die mich überallhin einladen. Es ist verrückt.

Was machst du in den Ferien?

Ich vermeide Segelschiffe. Stattdessen reise ich an Land oder verbringe Zeit mit Familie und Freunden.

Verrätst du uns deinen Lohn?

Ich bekomme im Jahr 24.000 Euro. Und alle meine Ausgaben auf Reisen sind gedeckt. Ich bin etwa 6 Monate pro Jahr unterwegs. Sailsquare zahlt zudem einen Teil meiner Wohnungsmiete. Ich habe den Job nicht fürs Geld angenommen. Ich sehe meine Zeit bei Sailsquare als eine Chance, ein wundervolles Abenteuer zu erleben.

Hast du ein Lieblingserlebnis?

Das wollen immer alle wissen. Es ist die schwierigste Frage, weil die Reisen so verschieden sind. Ich fand Norwegen besonders speziell, weil ich als Frau aus der Karibik tropische Ferienorte gewohnt bin. Durch Schnee zu segeln, ist fantastisch.

(20Min)

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