Viele Briten sind über die Abschiebung von Irene Clennell, die seit 27 Jahren mit einem Briten zusammenlebt und die meiste Zeit ihres Lebens in Großbritannien verbracht hat, empört. Sie hatte eine aufrechte Aufenthaltserlaubnis, soll aber gegen die Regeln verstoßen haben, weil sie laut Ansicht der Behörden zu lange Zeitspannen in Singapur verbracht hat, wo sie ihre Eltern pflegte.
Die gebürtige Singapurerin kam 1988 zum ersten Mal nach London und lernte dort John kennen. Sie baute mit ihm gemeinsam eine Existenz im County Durham auf. Das Paar gründete eine Familie mit zwei Kindern und mittlerweile einem Enkelkind. Irene durfte mit einem Visa für Ehepartner in ihrer neuen Heimat bleiben, weil ihr Mann Einkünfte von mindestens 18.600 Pfund vorweisen konnte.
Obwohl der Lebensmittelpunkt von Clennell eindeutig in Großbritannien lag, wurden ihr laut "Guardian" nun längere Aufenthalte in Singapur zum Verhängnis. Sie pflegte ihre Eltern dort, als sie im Sterben lagen. Damit verstieß sie gegen eine der Regeln im britischen Visa-System die besagen, dass das Paar über eine gewisse Zeitspanne ununterbrochen in Großbritannien gelebt haben muss.
Visum 2016 abgelaufen
Ihr letztes Besuchervisum lief mit Ende 2016 ab, sie wurde nach einem Termin bei der Einwanderungsbehörde im Jänner in ein Abschiebezentrum in Schottland gebracht. Am Sonntag wurde sie abgeschoben: "Jetzt bin ich im Flieger. Vier Personen bringen mich nach Singapur. Ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn ich gelandet bin. Ich habe meine Schwester (in Singapur) angerufen und sie hat gesagt, dass sie mich nicht aufnehmen kann", sagte sie gegenüber "Buzzfeed".
Ihr Mann kritisiert das Vorgehen: "Ich glaube, das ist absichtlich so abgewickelt worden, damit wir keinen Anwalt nehmen oder vors Gericht ziehen. Ich halte es für listig, an einem Sonntag zu kommen, wenn man den Anwalt nicht erreichen kann."
Schwägerin Angela ist ebenfalls entsetzt: "Meine Schwägerin Irene hat 30 Jahre lang in Großbritannien gelebt, nachdem sie von Singapur hergekommen ist. Sie hat einen britischen Mann, zwei wundervolle britische Kinder und eine Enkeltochter. Sie hat 30 Jahre lang hart gearbeitet um die Familie groß zu ziehen und war ein wichtiges und beliebtes Mitglied der lokalen Gemeinschaft", schildert sie.
Spenden für Anwaltshonorar gesammelt
Nun sei Irene in Singapur auf sich alleine gestellt, während "ihr ganzes Leben" in Großbritannien sei. Außerdem sei ihr Mann schwer krank. "Wir sind in großer Sorge um ihn, wenn sie nicht nach ihm sieht. Eine Familie nach 30 Jahren Glück auseinanderzureißen, erscheint so unfair. Irene hat nie Begünstigungen in Großbritannien in Anspruch genommen."
Die Schwägerin ruft auf der Spendenseite "Go Fund Me" unter dem Motto dazu auf, Geld für das Anwaltshonorar zu sammeln. 26.675 Pfund (rund 31.400 Euro) sind bis Montagmittag bereits zusammengekommen.