Selbstbeherrschung macht nicht jeden glücklich

Wie stark die Fähigkeit zur Beherrschung ausgeprägt ist, hängt davon ab, ob man Entscheidungen eher gefühlsorientiert oder vernunftbasiert trifft.
Eine neue Studie an der Wiener Wirtschaftsuniversität untersuchte die Unterschiede zwischen intuitivem und rationalem Denken. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass es vom Persönlichkeitstypen abhängt, wie glücklich Selbstbeherrschung macht.

In insgesamt elf Studien mit 3.000 Teilnehmern wurde untersucht, welche Rolle der Persönlichkeitstyp eines Menschen beim Empfinden von Selbstkontrolle spielt. Studierende, die gerade eine Diät machten, sollten sich zwischen Schokolade und Karotten entscheiden und wurden im Anschluss zu ihrer Gefühlslage befragt.

Der Begriff der "Laienrationalität" definiert die Angewohnheit, Entscheidungen nach Prinzipien der Vernunft zu treffen.

Menschen mit einer geringen Tendenz zu rationalen Entscheidungen scheinen Selbstbeherrschung oder Versuchungen zu widerstehen als weniger befriedigend zu empfinden als Menschen, die gerne rational entscheiden.

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„Menschen, die sich bei Entscheidungen eher auf ihr Gefühl verlassen, empfinden sich selbst beim Verzichten weniger authentisch. Sie haben das Gefühl, ihre Bedürfnisse und ihr Verlangen zu unterdrücken und sich damit selbst zu betrügen. Paradoxerweise bedeutet demnach für sie der Verlust der Selbstbeherrschung gleichzeitig Selbstfindung. Umgekehrt sehen Menschen mit hoher Laienrationalität Selbstbeherrschung als Rezept zum Glücklichsein", erklärt Kokkoris, ein Autor der Studie.

Selbstbeherrschung ist demnach nicht nur eine Fähigkeit, sondern als bewusste Entscheidung und Bevorzugung einzustufen. Es kommt darauf an, wie sehr etwas als Zwang empfunden wird. „Aus unserer Studie lässt sich schließen, dass wir möglicherweise nicht einfach die Kontrolle über uns verlieren und zum Beispiel Schokolade essen, sondern, dass wir uns bewusst gegen die Selbstkontrolle entscheiden, um uns selbst treu zu bleiben", so Kokkoris. „Es bleibt unbestritten, dass Selbstkontrolle ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft ist, dennoch blieb in der Forschung bisher völlig unberücksichtigt, dass Selbstkontrolle nicht ausschließlich als positiv empfunden wird." (GA)

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