Selbstmord eines 18-Jährigen in Jugendhaft

Die Missstände rund um in Haft vergewaltigte und geschlagene Jugendliche in Gefängnissen in Ostösterreich ziehen immer weitere Kreise. Um aus der Schusslinie zu geraten kündigte Justizministerin Beatrix Karl einen 25 Punkte umfassenden Masterplan an. Doch nur wenige Stunden später beging ein 18-Jähriger in der JVA Gerasdorf sogar Selbstmord.

Die Missstände rund um in Haft vergewaltigte und geschlagene Jugendliche in Gefängnissen in Ostösterreich ziehen immer weitere Kreise. Um aus der Schusslinie zu geraten kündigte Justizministerin Beatrix Karl am Donnerstag einen an. Doch nur wenige Stunden später beging ein 18-Jähriger in der JVA Gerasdorf sogar Selbstmord.

Der junge Mann hat sich am Donnerstagabend in der Vollzugsanstalt Gerasdorf bei Wien das Leben genommen. Das gab Justizministerin Beatrix Karl (VP) am Freitag am Rande einer Pressekonferenz im Palais Trautson bekannt. Der Jugendliche hatte laut Vollzugsdirektor Peter Prechtl in Gerasdorf eine mehrmonatige Freiheitsstrafe wegen Diebstahls verbüßt. Er wäre noch 2013 entlassen worden.

In der Zelle erhängt

Wie Prechtl erläuterte, soll der junge Mann psychisch verhaltensauffällig gewesen sein und war daher geraume Zeit auf der Abteilung untergebracht, die an sich für im Sinne des Maßnahmevollzugs untergebrachte Häftlinge vorgesehen ist. Dort ist eine entsprechende psychiatrische Betreuung gegeben.

Aufgrund der Einschätzung des Personals wurde der 18-Jährige zuletzt wieder in den "Normaltrakt" verlegt. Dort wurde er am frühen Abend in seiner Zelle erhängt aufgefunden. "Das ist ein bedauerlicher Vorfall. Mein Beileid gilt der Familie", sagte die Justizministerin.

"Vorfälle so weit als möglich verhindern"

Eigentlich galt die Pressekonferent den geplanten . Karl möchte hier "ein echtes Vorbild für Europa sein". Die Leiter sämtlicher Justizanstalten, die über eine Jugendabteilung in Österreich verfügen, hatte sie zuvor im Palais Trautson getroffen.

Karl präsentierte nochmals das schon am Donnerstag publik gewordene . Man müsse "alles Mögliche tun, um Vorfälle, von denen wir in den letzten Wochen gehört haben, so weit als möglich zu verhindern", sagte Karl.

"Mehr Personal ist nötig"

"Mehr Personal ist notwendig", verkündete Karl zusätzlich. Sie will auch ein flexibleres Dienstzeitmodell für Justizwachebeamte einführen, "um den Herausforderungen gerecht werden zu können". Es würden nun Gespräche mit den Personalvertretern geführt. Außerdem rechne sie mit der Unterstützung der für den öffentlichen Dienst zuständigen Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP). Wieviel zusätzliches Personal es geben soll, sei laut Karl Thema der nächsten Budgetverhandlungen.

Neben dem geplanten Neubau einer weiteren Justizanstalt im Großraum Wien will Karl die bestehenden Gefängnisse sanieren lassen. Die Anstalten im Wiener Raum wären "renovierungsbedürftig. Seit 30 Jahren hat sich in der Infrastruktur nichts Entscheidendes verändert."

Karl in der Schusslinie

Auf die Frage, weshalb sie das Maßnahmenpaket erst jetzt erstellt habe, obwohl seit Jänner 2013 ein vorliegt, der sich äußerst kritisch mit den Haftbedingungen für Jugendliche auseinandersetzt, meinte Karl: "Es geht um Sachpolitik, nicht um politische Schnellschüsse". Sie halte "nichts davon, Maßnahmen hinauszuposaunen, die nicht umzusetzen sind." Die nun vorgelegten Pläne wären "gut überlegt, deswegen kann ich sie jetzt guten Gewissens der Öffentlichkeit präsentieren".

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