Niederösterreich

Semesterticket: Musterklage wegen Ungleichbehandlung

Eine Plattform setzt sich für Studierende ein, die 75 Euro mehr fürs Semesterticket zahlen müssen wie Studierende aus Wien.
Erich Wessely
17.06.2020, 14:19

Das Team von ticketerstattung.at setzt sich für Studierende ein, die 75 Euro mehr für das Semesterticket zahlen müssen. Betroffen vom unterschiedlichen Ticketpreis ist eine Anzahl von Studierenden im höheren fünfstelligen Bereich.

Ein sachlich gerechtfertigter Grund für diese Ungleichbehandlung ist nach Ansicht von ticketerstattung.at und deren anwaltlicher Vertretung nicht zu erkennen, zumal exakt die gleiche Leistung (Fahrt in der Kernzone Wien) für denselben Gültigkeitszeitraum geboten werde. Daran ändert wohl auch eine mögliche nachträgliche Förderung anderer Bundesländer nichts. EU-Bürger ohne Hauptwohnsitz in Wien erhalten in den allermeisten Fällen überhaupt keine solche Förderung.

Plattform bietet Hilfe an

Eine Rückforderung kann auf ticketerstattung.at rückwirkend für bis zu drei Semester geltend gemacht werden. ticketerstattung.at erwirbt die Forderungen und macht sie auf ihr Kostenrisiko geltend. Im Erfolgsfall erhalten die Studierenden 73 Prozent des einbringlich gemachten Anspruchs, wobei 27 Prozent an ticketerstattung.at für ihren Aufwand und das Prozesskostenrisiko (Rechtsanwaltskosten, Gerichtsgebühr, Sachverständigengutachten, etc.) gehen, heißt es in einer Aussendung.

Musterklage eingebracht

Nachdem Zahlungsaufforderungen abgelehnt worden seien, wurde vor Kurzem eine Musterklage gegen die Wiener Linien zur Klärung der Rechtslage eingebracht. In dieser werden die Wiener Linien dazu aufgefordert, einerseits 75 Euro pro Semester an Preisdifferenz zu bezahlen, andererseits 300 Euro an Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung nach dem Gleichbehandlungsgesetz pro Semesterticketerwerb. Ob die Ansprüche zu Recht bestehen, wird letztlich von der Entscheidung der Gerichte abhängen.

Bei dem Sammelverfahren gehe es um eine mögliche Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes beim Semesterticketpreis, die Zehntausende Studierende in Österreich betrifft. Hierbei kann es um Rückzahlungen der Wiener Linien in Millionenhöhen gehen.

Bisher kostet das Semesterticket für Studierende mit Hauptwohnsitz außerhalb Wiens 150 Euro, während Studierende mit Hauptwohnsitz in Wien nur 75 Euro zahlen müssen. 

"Stark ermäßigtes Ticket"

Auf "Heute"-Anfrage heißt es seitens der Wiener Linien: "Beim Semesterticket handelt es sich um ein stark ermäßigtes Ticket im Vergleich zum Normalpreis, das nur dank der entsprechenden, finanziellen Unterstützung durch die Stadt Wien bei beiden Tickets ermöglicht wird. Es ist insgesamt auch nicht ungewöhnlich, bestimmte Vergünstigungen zur Kundengewinnung bzw. –bindung zu gewähren. Auch viele andere Verkehrsbetriebe bieten vergleichbare Vergünstigungen an", so Sprecher Daniel Amann.

Und weiter: "Die Inanspruchnahme des stark vergünstigten 75 Euro Semesterticket steht zudem allen Studierenden offen – es benötigt lediglich die Meldung zum Hauptwohnsitz in Wien."

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