Spezialeinheiten der kosovarischen Polizei drangen am Dienstag früh in den serbischen Teil der Stadt Mitrovica ein und verhafteten dort mehrere Menschen. Serbien hat als Reaktion darauf seine Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft versetzt.
Nach Angaben aus dem Kosovo sollten serbische Schmuggler verhaftet werden. Tatsächlich kam es in der Stadt zu stundenlangen Schießereien, in Mitrovica heulten die Sirenen. Der serbische Präsident Aleksander Vucic sprach von insgesamt 23 Festgenommenen in Mitrovica, die serbischer und bosnischer Herkunft seien. Zwei Polizisten, die sich ihrer Festnahme widersetzten, wurden verletzt.
Vucic hat inzwischen Gegenmaßnahmen angedroht, sollten die kosovarischen Spezialeinheiten den Norden der Stadt nicht verlassen. "Das Ganze dient nur dazu, das serbische Volk (im Nordkosovo) einzuschüchtern", erklärte Vucic. Die Serben, die dort viel gewohnt seien, hätten zunehmend Angst.
Laut dem serbischen Staatschef wurde außerdem ein russischer Bürger festgenommen und dabei verletzt. Bei ihm soll es sich um Michail Krasnoschtschjokow, einen Mitarbeiter der UNMIK (Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo), handeln. Medienberichten zufolge wurde Krasnoschtschjokow in ein Krankenhaus gebracht.
Derzeit läuft eine Sitzung des serbischen Sicherheitsrates in Belgrad. Die serbische Rundfunkanstalt RTS meldet „Bewegungen der serbischen Streitkräfte und Polizei" Richtung Kosovo. Die ganze Lage erinnere an einen Kriegszustand, berichtet ein Korrespondent des Belgrader Senders Prva aus der Gemeinde Zubin Potok. Überall stünden Panzerfahrzeuge der Kosovo-Albaner und es seien Schüsse zu hören.
Die Schießereien dauern derzeit noch an.
Der Kosovo ist heute zu mehr als 90 Prozent von Albanern bewohnt. Die ehemals serbische Provinz hatte sich nach einem bewaffneten Aufstand und mit Hilfe einer Nato-Intervention 1999 von Belgrad abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies nie anerkannt und betrachtet seine ehemalige Provinz weiterhin als eigenes Staatsgebiet.
(red)