Der serbische Präsident Tomislav Nikolic hat sich 18 Jahre nach Ende des Bosnien-Krieges für die Verbrechen an muslimischen Bosniern in Srebrenica entschuldigt. Allerdings wollte er nicht von einem Völkermord sprechen, dieser müsse erst bewiesen werden.
Der serbische Präsident Tomislav Nikolic hat sich 18 Jahre nach Ende des Bosnien-Krieges für die Verbrechen an muslimischen Bosniern in Srebrenica entschuldigt. Allerdings wollte er nicht von einem Völkermord sprechen, dieser müsse erst bewiesen werden.
Serbiens Präsident Tomislav Nikolic, ein früherer Ultranationalist, entschuldigte sich am Donnerstag für alle während des Bosnien-Krieges an Bosniaken begangenen Verbrechen. "Ich knie und bitte um Gnade für Serbien wegen der Verbrechen, die in Srebrenica begangen wurden", sagte Nikolic hinzu und kündigte einen baldigen Besuch in der ostbosnischen Kleinstadt an.
Nikolic entschuldigte sich für Verbrechen, die im Namen Serbiens und der Serben durch Einzelpersonen begangen wurden. Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone durch bosnisch-serbische Truppen waren in der Umgebung der Kleinstadt im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jugendliche brutal ermordet worden. Die Entschuldigung hat aber auch einen bitteren Beigeschmack für die Hinterbliebenen.
"Genozid muss erst bewiesen werden"
Als Völkermord wollte Nikolic die Verbrechen nicht bezeichnen und relativierte diese erneut: "Der Genozid muss erst bewiesen werden (...) Alles, was im ehemaligen Jugoslawien passierte, trägt Genozid-Merkmale", sagte Nikolic in einem Gespräch mit dem staatlichen bosnischen TV-Sender BHT. Am Donnerstag waren Auszüge aus dem Interview veröffentlicht worden.
Im vorigen Sommer sorgte Nikolic für negative Reaktionen, als er vom "schweren Verbrechen" in Srebrenica sprach. Er berief sich später auf eine Erklärung des serbischen Parlamentes, in welcher vor einigen Jahren das Massaker von Srebrenica verurteilt und in welcher ebenfalls der Begriff Völkermord vermieden worden war.
Internationaler Gerichtshof sieht Völkermord
Der Internationale Gerichtshof (IGH) sieht das anders. Er hatte in einem Urteil auf Basis einer Klage Bosnien-Herzegowinas das Massaker im Jahr 2008 als Völkermord definiert. Serbien war gleichzeitig der Verantwortung dafür freigesprochen worden.