Sex-Doku auf ARD: Prostitution und ihre Profiteure

Bild: NDR

Die Dokumentation aus der "Die Story im Ersten"-Reihe stellt die Frage, was die Legalisierung von Prostitution am Geschäft mit dem Sex änderte. "Sex - Made in Germany" läuft um 22.45 Uhr auf ARD.

Die Dokumentation aus der "Die Story im Ersten"-Reihe stellt die Frage, was die Legalisierung von Prostitution am Geschäft mit dem Sex änderte.  "Sex - Made in Germany"  läuft um 22.45 Uhr auf .

Das Team von "Die Story im Ersten" hat in Stuttgart Europas größten Puff besucht, der 55 000 Freier im Jahr zählt. Die Reporter sprechen auch mit einer jungen Frau, die sich im Netz an Männer versteigert. Sie findet das erregend. Erstgebot: 1 Euro. "Das ist wie bei eBay."

Deutschland hat eines der liberalsten Prostitutionsgesetze Europas erlassen. Die Politik hatte 2002 noble Absichten, man wollte Prostituierte aus der Illegalität holen. Den großen Reibach, den nun die Bordellbetreiber machen, hat man vermutlich nicht vorhergesehen. Alles ist möglich - bis hin zu menschenverachtenden Flatrate-Tarife für Sex. "Jetzt ist alles legal. Der Bordellbesitzer kann gut schlafen", sagt ein Flatrate-Club-Betreiber. "Der Sex in Berlin ist günstig wie nirgendwo." Es sei genauso wie im thailändischen Pattaya. 1,2 Millionen Männer kaufen täglich Sex in der Bundesrepublik.

"Die Qualität ist gut, und alles hat seine Ordnung", sagt ein Däne beim Besuch in einem norddeutschen Bordell. 300 Kilometer führen seine Landsleute dafür. Und das sei noch nicht mal extrem. Männer fliegen aus Amerika und Asien als Sextouristen zu Sechs-Tage-Reisen nach Deutschland ein. Flatrates gibt es schon ab 49 Euro.

Vor allem für Osteuropäerinnen bedeutet dieser Boom häufig großes Leid. Die Reportage schildert zum Beispiel das Schicksal einer Rumänin. Sie musste bis zu 40 Freier am Abend bedienen, bis die Behörden das Bordell schlossen - aus gesundheitlichen Gründen. Eine deutsche Prostituierte beteuert, viele ihrer Freundinnen verdienten sich Geld mit Sex dazu: "Viele Mädels, die machen ihr Abi, studieren, kommen trotzdem hierher, für ein bis zwei Tage über das Wochenende Geld zu verdienen, weil sie es nicht als weiter schlimm ansehen."

Die Autorinnen Tina Soliman und Sonia Kennebeck haben zwei Jahre im Milieu recherchiert, sprachen mit Frauen, die dort freiwillig als Prostituierte, Pornostar oder Webcam-Hure arbeiten. Sie trafen Zuhälter und einen Bordellbetreiber, den sie auch zu Hause im Kreise der Familie besuchen durften. Er ist alleinerziehender Vater von vier Kindern. Seine Töchter schickt er auf ein englisches Elite-Internat. Seine Kinder sieht er nicht in dem Gewerbe: "Das wäre unvorstellbar."

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