Sex in Videogames ist alles andere als magisch

Erotik in Videogames geht oft in die Hose. Kein Wunder, denn gute Sexszenen sind extrem schwierig zu programmieren.
Seit es Videogames gibt, lassen Designer immer wieder das wohl prickelndste aller Themen in die Spiele mit einfließen: Sex.

Während Schlüpfriges früher aber vorwiegend fürs pubertierende Publikum gedacht war und kaum mehr als ein verschämter Blick durchs Schlüsselloch drinlag, sind heute richtige Sexszenen normal.

Was aber nicht bedeutet, dass der virtuelle Sex besser geworden wäre.

Plumper Skandal

Mit einem Schlag zum Diskussionsthema wurde Sex mit dem "Hot Coffee Mod" aus "Grand Theft Auto: San Andreas" im Jahr 2005, der aufgrund der versteckt eingebauten Sexszene einen Skandal auslöste.

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Plumper hätte eine Sexszene aber kaum sein können: Der Held des Games bleibt während des Akts vollständig bekleidet, die Szene entbehrt jeder Erotik:



Erotischer wurde die Sache auch später nicht. Auch in "Ride to Hell: Retribution" gehen beide Partner voll bekleidet zur Sache. Die Szene ist buchstäblich ein Schuss in die Hose.



Auch seriöse Versuche wie im Game "Fahrenheit" sorgen für aufgestellte Nackenhaare: Die Figuren küssen sich zum Beispiel mit starren offenen Augen, die Bewegungen der Figuren wirken roboterhaft – es droht ein Sex-Trauma.



Geradezu absurd wird es im Egoshooter "F.E.A.R 2", als der Held vom dämonischen Wesen Alma zur Zeugung eines Kindes gezwungen wird. Teuflisch schlecht.



Aber selbst ein Spiel wie "Heavy Rain", das sich gezielt an Erwachsene wendet, versagt, wenn es ums Eingemachte geht: Da der Spieler die Szene mit Quicktime-Events steuern muss, erstirbt die Erotik auf dem Feld der kalten Technik.



Die Beispiele zeigen: Das meiste, was Spielern aufgetischt wird, entbehrt all dessen, was eine spannende Sexszene ausmacht: Kitzel, Erregung, Herzklopfen. Doch es gibt Ausnahmen: Das Entwicklerstudio Bioware hat in den letzten Jahren die Messlatte in der Darstellung von Sex höhergelegt.

In Spielreihen wie "Mass Effect" und "Dragon Age" kam erstmals so etwas wie ein Hauch von Erotik auf. Als Vorzeigebeispiele gelten die Szenen in "The Witcher 2" und "The Witcher 3", wo der Sex dank gelungenen Figuren und dem plausiblen Anbahnen des magischen Moments glaubwürdig wirkt.



Damit es klappt mit der Magie, braucht es einen enormen Aufwand, wie Pawe wierczyski, Cinematic Director beim "Witcher"-Entwickler CD Projekt Red, kürzlich auf Kotaku.com verraten hat. An der Ausarbeitung der Szenen seien mehrere Leute beteiligt gewesen: Drehbuchautoren, Motion-Capture-Experten, Programmierer, Sprecher. Die Szenen würden von realen Schauspielern gespielt und ihre Bewegungen dann digitalisiert.

Zwar entspreche die Entwicklung damit grundsätzlich auch anderen Spielszenen, doch es gebe einen großen Unterschied: Der kleinste Fehler störe die Sinnlichkeit. Während in einer Kampfszene eine fehlerhafte Kollisionskontrolle nicht störe, sei der ganze Zauber weg, wenn während des virtuellen Sex ein Arm durch den Unterkörper des Partners hindurchgreife.

Um solche technischen Probleme zu lösen, müsse für eine Sexszene etwa dreimal mehr Zeit als für andere Gameszenen aufgewendet werden, sagt wierczyski. Außerdem brauche es einen Sinn für die Wirklichkeit: "Sex kann im realen Leben auch nur mal dazu dienen, eine emotionale Leere zu füllen", sagt er zu Kotaku.com. So sollte es auch in Games sein. Bis dahin sind höchstwahrscheinlich aber noch einige mentale Coiti interrupti zu überstehen. (jag)

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