Gesundheitsminister Johannes Rauch hatte am Freitag die Möglichkeit in den Raum gestellt, die Quarantäne für Gesundheitspersonal zu verkürzen. Viele Krankenhäuser seien derzeit wegen Personalausfällen aufgrund einer Corona-Erkrankung zunehmend unter Druck, eine verkürzte Isolation könnte diesbezüglich helfen.
Doch Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hält offenbar nicht wirklich etwas von Rauchs Vorschlag – im Gegenteil! Der SP-Politiker lehnt eine kürzere Quarantäne ab, da dies keine Lösung sei. Und der 58-Jährige hat auch seine Gründe, warum eine solche Empfehlung für die Bundeshauptstadt nicht in Frage kommt.
"Die Situation in den Wiener Spitälern ist extrem kritisch. Das ist der Grund, warum wir auch diese Woche entschieden haben, dass wir in Wien noch strengere Maßnahmen machen. Dass wir jetzt beginnen, infizierte Mitarbeiter wieder arbeiten zu lassen, kommt deswegen trotzdem ganz sicher nicht infrage", erklärt Hacker im "Wien heute"-Interview.
Laut Hacker werde eine solche Möglichkeit aber nicht nur in Wien wohl kaum umgesetzt werden. "Ehrlich gesagt bin ich mir ganz sicher, es wird auch in ganz Österreich niemand ernsthaft umsetzen", so der Wiener Stadtrat weiter. Sollten sich nämlich Patienten infizieren, gehe es auch um Haftungsfragen.
Hacker: "Das beginnt bei der Frage der Haftung des Arbeitgebers, geht weiter zur zivilrechtlichen Haftung und bis zur strafrechtlichen Haftung." Der Stadtrat zeigte sich über die Diskussion zudem "verblüfft", könne sie aber "aus der Emotion heraus verstehen", so der SP-Politiker zu "Wien heute". In den Spitälern würden alle am Limit arbeiten.
Für den 58-Jährigen ist daher ganz klar, dass man den Spitalsbetrieb aufrechterhalten müsse, "aber das ist ja der Grund, warum wir seit vielen Monaten in Wien vorsichtigeren Kurs fahren". Nur so könne man die Mitarbeiter in den Krankenhäusern auch motivieren, "weil die Mitarbeiter auch wissen, dass auch wir unseren Teil dazu beitragen. Wir lassen (die Pandemie) eben nicht durchlaufen in Wien."
Erst vor wenigen Tagen hatte das Landesklinikum Baden-Mödling mitgeteilt, wegen der Personalausfälle auf Notbetrieb umstellen zu müssen. Hacker: "Ich gehe mal davon aus, dass die Niederösterreicher das schaffen, das innerhalb von Niederösterreich umzuverteilen. Jedenfalls hat bis jetzt noch niemand bei mir angerufen und um Unterstützung ersucht", sagte Hacker. Ein Aushelfen von Seiten Wiens sei aktuell kein Thema.