"Sie gingen zu sechst auf mich los – niemand half mir"

J.N.* (26) wollte sich eigentlich nur eine Schnitzelsemmel holen, dann wurde er von sechs Personen auf einem Parkplatz angegriffen.

J.N.* (26) war am Freitagabend alleine unterwegs und wollte nur um die Ecke eine Schnitzelsemmel holen. Dabei sei er noch kurz an der Olma (Anm. Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung) vorbeigelaufen, um zu sehen, was da noch läuft, denn er wohne gleich in der Nähe, wie er zu "20 Minuten" sagte. Als er um 23.15 Uhr über den großen Parkplatz vor der Olma spazierte, wurde er von einer Gruppe von sechs etwa Gleichaltrigen angesprochen, worauf die Situation schnell eskalierte.

"Schau auf den Boden", habe einer aus der Gruppe zu ihm gesagt. "Sei ruhig", entgegnete N. darauf. Es kam zu einem Wortgefecht, "Komm, einer gegen einer", habe N. noch gesagt, doch das wurde ihm zum Verhängnis. "Alle kamen auf mich los, ich hatte nur noch Turnschuhe im Gesicht. Einer gegen sechs ist auch nicht fair", so der 26-Jährige. Die Gruppe sei betrunken gewesen und habe sich dann zu Fuß in Richtung Autobahneinfahrt verzogen. Es ist ihm noch nie passiert, dass eine so große Gruppe sich gegen ihn stellte. "Gewalt ist die Waffe der Schwachen", sagt der St. Galler dazu.

Mit blauem Auge davongekommen

J.N. kannte seine Angreifer nicht, aber er schätzt sie auf 25 bis 26 Jahre. "Mir ist nur der Züridialekt aufgefallen", sagt er. Obwohl der Platz voller Leute war, sei ihm niemand zu Hilfe gekommen. "Die beiden Securitas meinten nur, ich solle mich beruhigen, dabei war ich das Opfer", fügt er hinzu. Er hatte nach dem Streit Kopfschmerzen und seine Rippen täten ihm ein wenig weh. Das blaue Auge, das er davon getragen hat, überschminkte er für seine Arbeit. Eine Anzeige will er keine machen.

Die Stadtpolizei hat keine Meldung zu diesem Vorfall erhalten. Doch zeigten sie, nach den Gewaltdelikten in St. Gallen und vor allem während der Olma-Zeit, verschärft Präsenz. "Wir können natürlich nicht überall gleichzeitig sein, aber wenn wir einen Hinweis erhalten, gehen wir natürlich sofort vor Ort", sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Ansonsten zieht die Stadtpolizei eine positive Bilanz der Olma, es habe keine größeren Zwischenfälle oder schweren Verletzungen gegeben.

*Name der Redaktion bekannt.

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