Wien

Skurrile Horoskop-Einlage bei Jahresauftakt der ÖVP

Wie stehen die Sterne für die Wiener Volkspartei? Bei ihrem Jahresauftakt bemühte die Landesgruppe am Donnerstag die Dienste einer Astrologin. 
Clemens Oistric
19.01.2023, 21:50
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Ausgerechnet die Aula der Wissenschaften musste für eine Astro-Einlage herhalten: Beim Jahresauftakt der Wiener ÖVP in der City gehörte der erste Auftritt des Abends einer Sterndeuterin. Diplom-Astrologin Regina Binder gab vor gut gefüllten Reihen die Devise für 2023 aus: "Mehr Mut – für was auch immer." 

Binder in Wirtschaftskammer aktiv

Dass ausgerechnet die christlich-soziale Volkspartei die "Ersatz-Religion" der Österreicher bemühte, erstaunte manche Zuseher. Mildernd darf angenommen werden, dass sich Binder als Berufsgruppensprecherin und Obfrau der gewerblichen Astrologen in der Wiener Wirtschaftskammer engagiert. 

Partei-Granden wie Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol, die frühere Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat oder Senioren-Chefin Ingrid Korosec wurden mental auf eine "epochale Wendezeit" vorbereitet. Laut Binder habe man nun "die Chance, sich zu verändern". Man könne sich die Frage stellen: "Wo soll's hingehen, die Reise?"

Service für Daheim

Nach zwöf Minuten Sternen-Exkurs gehörte die Bühne dann ganz  dem schwarzen Landesparteiobmann Karl Mahrer. Wer noch nicht genug erfahren hatte, wurde mit Unterlagen zur Heimlektüre versorgt. Beim Ausgang lagen auf zwölf Stapeln fein-säuberlich vorbereitet sämtliche Sternzeichen auf. Jeder Gast durfte beim Heimgehen sein personalisiertes Jahreshorskop mitnehmen. 

Mit einem im Heftchen abgedruckten Predigt-Text ("Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine Zeit") sollten wohl auch traditionellere ÖVPler abgeholt werden. Auch Obmann Mahrer distanzierte sich von der Pseudo-Wissenschaft: "Ich möchte mich nicht als Sterndeuter präsentieren, aber hoffentlich bringt uns das neue Jahr etwas mehr Normalität." Die Wiener Volkspartei kämpfe unter ihm "für Freiheit, Sicherheit und individuelle Entfaltung." Dann wünscht er "viel Spaß beim Lesen". Übrigens: 2023 steht laut Binder "unter der Regentschaft des dynamischen Mars". 

Starke Rede: Karl Mahrer
Sabine Hertel

"Kein österreichischer Stand mehr"

Die starke Mahrer-Rede war dann ein Plädoyer für "mehr Normalität in Wien". Der 67-Jährige nahm die 500 Funktionäre mit auf eine Zeitreise. Ganze Straßenzüge in Wien seien mittlerweile "von Leerstand und Verwahrlosung geprägt", führte der frühere Polizei-Vize aus. Am Brunnenmarkt gebe es "keinen einzigen österreichischen Stand mehr", beklagte er.

"Konstruktivste Oppositionspartei"

An der rot-pinken Regierung ließ er kein gutes Haar. Die Stadt brenne "wie ein Luster" Steuergeld weg. Nachsatz: "Ich sage euch, das ist nicht normal, und zur Normalität kann und darf das nicht werden." Seine in Umfragen strauchelnde Partei, die er Ende 2021 von Gernot Blümel übernommen hat, sieht Mahrer "als größte und konstruktivste Oppositionspartei".

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