Wiens ÖVP-Chef Karl Mahrer ist noch immer auf Brennpunkt-Tour. Nach Brunnenmarkt, Reumannplatz und Gumpendorfer Straße besuchte Mahrer die Mariahilfer Straße. Dort sollen Betrunkene und Obdachlose das Einkaufvergnügen stören und Anrainer in Angst versetzen. Als der ÖVP-Chef zu Mittag einen Mann entdeckt, der auf einer Bank schläft, alarmiert er die Polizei und lässt sich dabei von seinem Video-Team filmen.
Mahrers Aktion sorgte nicht nur für Kopfschütteln, sondern animierte Sozialstadtrat Peter Hacker auch dazu, den ÖVP-Politiker einzuladen, "sich einen Tag lang in einer der vielen Wohnungslosen-Einrichtungen unserer Stadt ehrenamtlich zu engagieren."
Auch die Partei "Links" reagierte auf Mahrers Mittagschlaf-Aktion: Mehrere Aktivisten versammelten sich am Samstag um 23 Uhr an der Ecke Mariahilfer Straße-Zieglergasse, um hier mit einem "Sleepover", einem Schlafprotest, gegen "die Hetze" des Wiener ÖVP-Chefs zu protestieren. Initiator und "Links"-Aktivist Benjamin Traugott erklärt: "Wir machen es uns hier gemütlich und genießen die Sommernacht im Freien. Die wenigsten haben eine klimatisierte Wohnung mit Dachterrasse. An Hitzetagen wie heute, wenn die Wohnungen unerträglich heiß werden, treffen wir uns auf der Straße – denn genau dafür ist sie auch da.“
Man wolle mit der Aktion gegen die "anhaltende Hetzkampagne" der Wiener ÖVP reagieren, heißt es. Links-KPÖ-Bezirksrätin in Penzing, Christin Sporman, erklärt die Hintergründe der Aktion: "Nach dem ,Brennpunkt Favoriten’ am Viktor-Adler Markt und dem Brunnenmarkt in Ottakring hat Wiens ÖVP-Chef Karl Mahrer einen neuen öffentlichen Raum in Wien entdeckt, in dem er Menschen belästigen und mit herabwürdigenden Aktionen schaden kann. Ob Menschen, die in der Mittagssonne auf einer Bank schlafen, ihren Wochenendeinkauf auf einem Markt machen oder Obst und Gemüse verkaufen – Wien hat genug Platz für alle!"