So erkannte FBI eine Demonstrantin via Social Media

Dieses Foto wurde einer Demonstrantin in Philadelphia zum Verhängnis.
Dieses Foto wurde einer Demonstrantin in Philadelphia zum Verhängnis.U.S. District Court for the Eastern District of Pennsylvania
Sie hatte ihr Gesicht verhüllt und anonym an einer BLM-Demonstration teilgenommen. Dennoch gelang es, die mutmaßliche Brandstifterin zu erkennen.

Dass heutzutage in der Öffentlichkeit niemand mehr anonym ist, hat eine 33-jährige Frau aus Philadelphia, USA, am eigenen Leib erfahren müssen. Zwar trug sie am 30. Mai, als sie an einer "Black Lives Matter"-Demonstration teilnahm, einen Schal über der unteren Hälfte ihres Gesichts. Das hielt das FBI aber nicht davon ab, sie dennoch zweifellos zu identifizieren. Denn die Frau wird angeklagt, in das Abbrennen zweier Polizeiautos involviert gewesen zu sein, wie "The Philadephia Inquirer" schreibt.

Der Fall zeigt, wie leicht es heute ist, Personen via Social Media und das Internet zu identifizieren, solange ein Foto von ihnen vorhanden ist. Nicht zuletzt deshalb flehen die Demonstranten überall auf der Welt ihre Mit-Protestierenden immer wieder an, keine Bilder der Demonstrationen zu machen und diese schon gar nicht online zu stellen. Denn das oben gezeigte Bild könnte die Frau teuer zu stehen kommen. Falls sie tatsächlich wegen Brandstiftung verurteilt wird, drohen ihr bis zu sieben Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar.

So konnte die Frau identifiziert werden

Zur Identifizierung der Frau waren nur einige wenige Details nötig. Das einzige Foto, das dem FBI vorlag, war eines, das die Frau dabei zeigte, wie sie einen brennenden Gegenstand in ein bereits beschädigtes Polizeiauto warf. Daraufhin suchten die Ermittler auf Instagram und Vimeo nach weiterem Bild- und Videomaterial, das zur selben Zeit am selben Ort aufgenommen worden war. Die Frau tauchte dabei auf einigen Bildern auf.

Eines dieser Bilder zeigte, dass die Frau ein Friedenszeichen auf dem rechten Unterarm tätowiert hatte. Nachdem das FBI rund 500 weitere Bilder durchsucht hatte, fand sich außerdem ein weiteres Foto, auf welchem deutlich zu sehen war, dass die Frau ein T-Shirt trug, auf welchem "Keep the immigrants. Deport the racists" (Behaltet die Immigranten, deportiert die Rassisten) stand.

Eine kurze Google-Suche zeigte, dass dieses T-Shirt nur an einem einzigen Ort zu kaufen ist: und zwar in einem Etsy-Online-Store. Dort hatte ein User mit namen "alleycatlore" nur wenige Tage vor der Demonstration genau ein solches T-Shirt mit fünf Sternen bewertet. Als die Ermittler erneut Google zurate zogen und auch andernorts nach diesem Benutzernamen suchten, stießen sie auf einen Poshmark-Account, der einer "Lore-Elisabeth" gehörte.

"Gleiches Schema wie bei 9/11"

Mit diesem Namen gingen die Ermittler erneut auf die Suche und wurden bei Linkedin fündig. Dort war eine Lore Elisabeth Blumenthal registriert, die in Philadelphia als Massage-Therapeutin arbeitete. Auf der Website ihres Massagestudios konnten schließlich Videos eingesehen werden, die die Frau eindeutig identifizierten – nicht zuletzt aufgrund des Peace-Tattoos auf ihrem Unterarm.

Der Anwalt von Blumenthal erklärte, dass der Fall ab jenem Moment ein politisches Element erhalten habe, als das FBI und nicht die lokalen Behörden den Fall übernahmen. "Die Öffentlichkeit ist sich einfach nicht bewusst, wie Informationen, die online geteilt werden, dazu genutzt werden können, eine Person zu identifizieren", zitiert ihn "The Philadephia Inquirer". "Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob die Behörden die Privatsphäre vieler Personen untergraben haben, um eine bestimmte Person zu finden. Dasselbe Paradigma haben wir bereits bei 9/11 gesehen, als sie versuchten, Muslime zu identifizieren. Nun wird dieselbe Taktik auf afroamerikanische Bürger angewendet."

Die Behörden sehen dies anders: "Wir unterstützen das Recht der Menschen, sich friedlich zu versammeln und zu demonstrieren, voll und ganz. Aber ein Polizeiauto abzufackeln hat nichts mit einem friedlichen Protest zu tun. Jeder, der solche Taten begeht, muss damit rechnen, die Hände hinter dem Rücken verschränken und ins Gefängnis wandern zu müssen. Wir sind euch auf der Spur."

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