Drei muslimische Männer, die einem Polizisten und mehreren Passanten das Leben retteten; Lokalbesitzer, die rasch reagierten und ihre Gäste im Keller in Sicherheit brachten; Hotelchefs, die gestrandeten Passanten für die Nacht ein sicheres Dach über dem Kopf anboten – sie alle sind die Helden dieser Terrornacht. Aber dazu gehören auch, wie Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner aufzählt, die Taxifahrer, die Menschen in Sicherheit brachten, ohne Geld zu verlangen.
Tramfahrer, die außer halb der Station hielten, um Passagiere aus der Gefahrenzone zu bringen. Musiker, die Zugaben spielten, weil die Zuhörer nicht heimgehen konnten. Und allen voran natürlich die Polizisten, die bei der Jagd nach dem Attentäter ihr Leben riskierten. Die Sanitäter, die Ersthelfer – sie sind nicht nur Helden, sondern auch Symbol dafür, dass sich Wien nicht unterkriegen lässt. Und was passt dafür besser als die zutiefst wienerische SocialMedia-Parole "Schleichdiduoaschloch"?
"Ich saß mit meiner Frau und einem Freund im Lokal ,Vulcania‘ und ich habe das Mündungsfeuer gesehen, noch bevor man die Schüsse hören konnte. Alle Gäste sind gleich hinter der Bar verschwunden, nur meine Frau ist wie in einem Blackout stehen geblieben. Ich habe sie dann auch nach unten gerissen. Im Lokal nebenan hatte man weniger Glück. Da waren Menschen mit Schulterdurchschüssen und Wunden im Brustbereich dabei. Überall war Blut, aber wir haben dann gleich mit der Erstversorgung begonnen, also mit Druckverbänden und so. Zum Glück waren zwei frühere Sanitäter dabei. Interessanterweise hatte ich bei all dem fast keine Angst. Die kam erst, als alles wieder vorbei war."
"Der Schock sitzt noch tief in den Knochen. Wir saßen im ,Schwarzen Kameel‘ draußen, als es losging. Wir warfen uns sofort auf den Boden. Ich hörte Schreie und sah, wie Spezialeinheiten der Polizei auf ein Ziel ums Eck deuteten. Das waren verdächtige Männer, die am Graben festgehalten wurden, wie sich später herausstellte. Die Beamten sagten uns, dass wir umgehend ins Lokal flüchten sollten. Dort waren wir einige Stunden eingeschlossen, man kümmerte sich sehr gut um uns. Manche tranken Wasser, einige etwas Stärkeres. Ich wurde dann von der Wega zu meinem Auto eskortiert."
"Wir veranstalteten noch Kurse, als es losging. Dann versperrten wir die Türen. Es kamen Anrufe von Leuten, die nach dem Tanzkurs in die Stadt gingen und nun panisch zurückwollten. Bis Mitternacht ließen wir zur Ablenkung Musik laufen, manche tanzten. Wir hatten Angst, es war spooky."
"Ich bin fassungslos. Das Attentat ereignete sich 200 Meter Luftlinie von meiner Bar am Fleischmarkt entfernt. Gäste, die draußen rauchten, schrien: ,Es wird geschossen!‘ Menschen liefen zum Schwedenplatz an uns vorbei. Wir harrten drinnen aus, bis es sicher war."
"Ich war ganz ruhig im Café Engländer essen, als mich ständig Anrufe erreicht haben, dass es in der Seitenstettengasse eine Schießerei gibt. Und das ja nur ungefähr zehn Minuten entfernt. Die Türen wurden zugesperrt und das Licht abgedreht. Bambi und Käfer hatten Angst, sie waren leichenblass."
"Das war eine fürchterliche und eine überkritische Situation. Wir haben sofort die Menschen vom Wintergarten und den Fenstern weggebracht, die Lichter abgedreht und den Gästen, die zum Essen da waren, haben wir angeboten, hier zu schlafen. Die Mitarbeiter waren auch hier und haben ebenfalls im Haus übernachtet. 40 Zimmer waren belegt. Wir haben versucht, es in dieser Tragödie richtig zu machen."
"Von der Terrasse meiner Wohnung hörte ich die Schießerei. Meine Nachbarin bekam alles mit, war in absoluter Panik. Sie sah Menschen schreien und davonlaufen. Dann herrschte Stille."
"Ich war am Hohen Markt, als der Terror begann. Sofort stürmte ich zurück in den Stephansdom, veranlasste die Räumung. Um 12 Uhr gestern ertönte für die Opfer die Pummerin."
"Ich durfte ein letztes Mal im CasaNova Vienna auftreten. Um 21.30 Uhr hieß es: ,Terrorangriff!‘ Thomas M. Strobl war auch im Haus – gemeinsam improvisierten wir spontan bis 1.30 Uhr."