So kann die "mächtigste Abhörwaffe" heimlich filmen

Das Tool mit dem Namen Pegasus verwandelt Handys in Abhörgeräte. Die Software ist auf Tausenden iPhones und Android-Geräten weltweit installiert.

Präsidenten und Präsidentinnen, Diplomaten und Diplomatinnen, Journalisten und Journalistinnen: Sie alle wurden mit der Software einer israelischen Firma abgehört. Betroffen sind laut jüngsten Enthüllungen von "New York Times", "Guardian" und weiteren Medien weltweit Tausende Personen, die mit einem Tool namens Pegasus ausspioniert wurden. Die Schadsoftware wurde von Regierungen, Behörden und Geheimdiensten eingesetzt. Entwickelt wurde sie von der Firma NSO Group mit Sitz in Israel.

Allerdings ist das Tool nicht für die Massenüberwachung gedacht. Pegasus wird gezielt eingesetzt, um damit einzelne Personen zu belauschen. Seit 2016 sind mit Pegasus laut den Medienberichten rund 50.000 Handys abgehört worden. Dies zeigt ein Datensatz, der den Journalisten und Journalistinnen vorliegt. Die involvierten Medien wollen in den nächsten Tagen die Namen der betroffenen Personen nennen. Doch wie kommt die Spyware überhaupt auf die Handys – und was ist mit dem Tool alles möglich?

Mächtigste Abhörwaffe

Pegasus kann entweder über Schwachstellen in beliebten Apps oder via manipulierten Links installiert werden, die die Zielperson öffnet. "Wenn mit Pegasus zum Beispiel ein iPhone gehackt wird, erhalten die Angreifer sogenannte Root-Rechte. Damit können sie mehr tun, als die Besitzerin oder der Besitzer des Gerätes", erklärt Claudio Guarnieri vom Amnesty International Security Lab, der an der Recherche beteiligt war, im "Guardian".

Denn hat sich das Tool erst einmal auf dem Handy eingenistet, wird das digitale Leben komplett durchleuchtet: Chats, Kontakte, Anruflisten, Kalender, E-Mails, Internet-Verlauf – alles kann abgegriffen werden. Weiter kann Pegasus mit dem infizierten Handy heimlich filmen oder das Mikrofon unbemerkt einstellen und so Telefonate aufzeichnen. Kurz: Pegasus ist das mächtigste Abhör-Tool, das je entwickelt wurde, heißt es im "Guardian".

Die NSO Group verlangt für das Abhören Geld: So verrechnet das Unternehmen jeden abgehörten Anschluss mit mehreren Tausend Euro, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Frühere Leaks zeigten, dass die Rechnungen schnell sechsstellig werden. Schon 2016 zeigten geleakte Dokumente, dass das Abhören von zehn iPhones mit 650.000 Dollar in Rechnung gestellt wurde.

Schutz gegen Pegasus?

Laut den Entwicklern ist Pegasus ausschließlich für den Einsatz gegen Kriminelle und Terroristen und Terroristinnen gedacht: Im Visier sind aber zahlreiche Aktivisten und Aktivistinnen, Journalisten und Journalistinnen sowie Politiker und Politikerinnen, wie die Berichte zeigen. Als Privatperson muss man wenig befürchten: "Dass Sie mit Pegasus in Kontakt kommen, ist unwahrscheinlich. Pegasus zielt auf Personen ab, die in der Öffentlichkeit stehen", erklärt die "Süddeutsche Zeitung".

Wie kann man sich gegen Tools wie Pegasus schützen? Man kann etwa versuchen, es den Angreifern schwerer zu machen. Dies, indem man die Software auf dem eigenen Handy stets auf dem neuesten Stand hält. Zudem raten Sicherheitsexpertinnen und -experten auf dem iPhone, die Dienste iMessage und Facetime zu deaktivieren. Sie sind in der Vergangenheit als Einfallstor für Pegasus genutzt worden. Einen effektiven Schutz vor Pegasus gibt es jedoch nicht.

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