"Hygiene Austria" gibt China-Auftrag mittlerweile zu

Hausdurchsuchung bei "Hygiene Austria"
Hausdurchsuchung bei "Hygiene Austria"Thomas Lenger
Betrugsverdacht gegen einen großen Maskenhersteller in Wien und NÖ: In China hergestellte Masken sollen in NÖ und Wien nur umgepackt worden sein.

An zwei Standorten in Wien und Wr. Neudorf waren Dienstag die Oberstaatsanwältin der Korruptionsstaatsanwaltschaft, Kripo und Finanzpolizei angerückt und stellten die Gebäude der MNS-Hersteller „Hygiene Austria“ auf den Kopf - mehr dazu lesen Sie hier.

China-Masken made in Austria?

Der konkrete Verdacht: FFP-2-Masken sollen bereits mit dem Aufdruck „Hygiene Austria“ aus China geliefert worden sein. Die Masken sollen dann einfach umgepackt und der chineschische durch einen deutschsprachigen Beipackzettel ersetzt worden sein. Gearbeitet sollen Leiharbeiter ohne Sozialversicherung haben.

"Stand knietief in China-Masken"

Ein Beamter meinte im „Ö1-Mittagsjournal“, man sei bei den Ermittlungen knietief in China-Masken gewatet. Ermittelt werde wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betruges und der Schwarzarbeit.

"Haltlose Vorwürfe"

Ein Sprecher von „Hygiene Austria“ wies die Vorwürfe als völlig haltlos zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. "Wir kooperieren mit den Behörden, wollen Aufklärung", so der Sprecher in einer Aussendung. Einige Handelsketten nahmen die Masken aus dem Sortiment, andere Handelsriesen vertrauen den Masken weiterhin, die ÖBB lassen die Masken nun überprüfen.

Mittlerweile gab "Hygiene Austria" aber zu (Stand: Mittwochabend), einen Auftrag an chinesischen Lohnfabrikanten erteilt zu haben. "Um den Nachfrageanstieg zu bewältigen. Das CE-Zertifikat wurde aber von einem Schweizer Unternehmen vorgenommen", so ein Sprecher in einer Aussendung.

Das muss auf Maske stehen

Übrigens diese Angaben müssen auf einer echten Maske sein: Hersteller, Produktbezeichnung, Schutzklasse, Haltbarkeit, angewendete Norm, „CE“-Kennzeichnung und eine vierstellige Nummer für die Prüfstelle.

Das ist die "Hygiene Austria"

Die "Hygiene Austria" hatten Lenzing und Palmers erst im April 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie gegründet. Deren Ziel: Masken "made in Austria" zu produzieren.

Für Brisanz hatten die Verbindungen zur heimischen Politik gesorgt. Der Hygiene-Austria-Geschäftsführer Tino W. ist mit der Büroleiterin von Kanzler Sebastian Kurz (VP) verschwägert. Und deren Ehemann sitzt im Vorstand von Palmers. SPÖ, FPÖ und Neos übten heute scharfe Kritik.

Dem "Kurier" gegenüber berichtete ein Insider über die Bestellung von 20 Millionen China-Masken für "Hygiene Austria". Die Lieferung erging an Palmers in Wr. Neudorf, die Rechnung an eine Stiftung in Liechtenstein. Die Ware sollte dann über Umwege in die Ukraine geliefert werden.

Bundeskanzler Sebastian Kurz während eines Besuchs der Maskenproduktion der Hygiene Austria am Dienstag, 19. Mai 2020, in Wiener Neudorf.
Bundeskanzler Sebastian Kurz während eines Besuchs der Maskenproduktion der Hygiene Austria am Dienstag, 19. Mai 2020, in Wiener Neudorf.DRAGAN TATIC / APA / picturedesk.com
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